Ungemähte Wiese beim Margaretengürtel. - © MA42/Schmögner
Ungemähte Wiese beim Margaretengürtel. - © MA42/Schmögner

Wien. Immer öfter stößt man auf Verkehrsinseln, grüne Streifen zwischen zwei Straßen und Bereichen in Parks, in denen die Wildnis über den ehemals gemähten Rasen überhandgenommen hat. Wer etwa beim Schottentor auf seine Straßenbahn wartet, kann beobachten, wie die Linien 37 & Co eine Grünfläche umfahren, die offensichtlich längere Zeit keine Begegnung mit einem Rasenmäher hatten. Fehlen der Stadt die finanziellen Mittel, um sich um die Grünflächen zu kümmern oder hat die urbane Verwilderung System?

Viele dieser vermeintlichen Gstettn sind durchaus gewollt. Laut Josef Mikocki, Leiter des Wiener Arten- und Lebensschutzprogramms "Netzwerk Natur", bringen die ungemähten Wiesen außergewöhnliche Flora und Fauna in die Stadt und verbessern so das Stadtbild. Tatsächlich finden verschiedene Tierarten, die von der Variation an Pflanzen angelockt werden, dort ihren Platz. Vor allem Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Kleininsekten wie Käfer, Wanzen und auch Heuschrecken sind ansässig. Auch Pflanzen wie der Wiesensalbei, der Doldenblütler, die wilde Möhre, der Beifuß, sowie verschiedene Distel- und Gräserarten, sind anzutreffen.

In 19 Bezirken gibt es nun schon insgesamt rund 30 Quadratkilometer dieser von der Stadt Wien sogenannten Naturwiesen. Nur im vierten, sechsten, siebten und im achten Bezirk sucht man sie vergeblich. Die älteste Naturwiese Wiens befindet sich in der Baumgasse im dritten Bezirk und ist unter dem Namen "Rundweg Stadtwildnis" bekannt. Diese Grünfläche ist bereits mehr als 20 Jahre alt und steht heute unter Denkmalschutz. Eine weitere naturbelassene Grünfläche ist laut Mikocky bereits in Planung. Sie soll in Kürze im Helmut-Zilk-Park nahe des Hauptbahnhofs zu finden sein. Die Bezirke haben bei dieser Entscheidung wenig mitzureden. Die Verwaltung der Naturwiesen teilen sich je nach Region das Stadtgartenamt (MA 42) und das Forstamt (MA 49).

Gewidmet sind diese Grünflächen als "Erholungsgebiet/Park" oder entlang der Straßen als "Straßenbegleitgrün". In beiden Fällen sind sie öffentliche Flächen und nicht bebaubar. Auf die Frage, wie sinnvoll überhaupt Naturwiesen auf Parkinseln oder als Abtrennung zweier Hauptstraßen seien, wie man es zum Beispiel zwischen der Schönbrunner Straße und der Arbeitergasse sehen kann, antwortet Joachim Chen, von der MA 42: "Ich bin normalerweise der Letzte, der die Automobilindustrie verteidigt, aber Autos haben heutzutage alle Katalysatoren. Daher macht es den Pflanzen gar nichts aus, wenn die Autos den ganzen Tag um sie herum oder an ihnen vorbei fahren."