Wer essen will, muss hart arbeiten in der wirklichen Welt. In Minopolis bekommen 4- bis 12-Jährige einen Vorgeschmack auf ihre Zukunft. - © Rösner
Wer essen will, muss hart arbeiten in der wirklichen Welt. In Minopolis bekommen 4- bis 12-Jährige einen Vorgeschmack auf ihre Zukunft. - © Rösner

Wien. Einen Testlauf für das erwachsene Leben stellt sie dar, die Kinderstadt Minopolis. Auf 6000 Quadratmetern können Kinder so tun als ob. So tun, als ob sie ein Bankkonto haben, ihrem Tagewerk als Redakteur, Feuerwehrmann oder Ärztin nachgehen, und selbst im Scheitern können sie sich üben. Denn, wenn es mit der Traumkarriere nicht klappt, können sie sich Rat holen bei dem stadteigenen AMS-Mitarbeiter.

Seit acht Jahren beherbergt das Cineplexx-Gebäude an der Reichsbrücke in der Donaustadt den Themenpark. Nun will man in den Prater übersiedeln. Rund 4000 Quadratmeter sollen dafür in den Pratergalerien am Riesenradplatz angemietet werden. Nach dem Konkurs des Großpächters, der Calafatti GmbH, werden dort seit Monaten Nachmieter gesucht.

In den neuen Standort will Minopolis rund vier Millionen Euro investieren. "Ein Gutteil dieses Investitionsvolumen wird aufgebracht werden müssen. Das ist ein Thema der kommenden Monate", sagt Minopolis-Geschäftsführerin Louisa Böhringer zur "Wiener Zeitung". Ob sich bereits Interessenten gemeldet haben, will sie nicht verraten. Die Zeit wird knapp. Denn am derzeitigen Minopolis-Standort soll ein neuer Wohnturm entstehen, die "Danube Flats". Rund 500 Wohnungen sind im 146 Meter hohen Turm geplant. 2014 soll der Komplex bis auf die Garage abgerissen werden. Das Kino hat bereits vor einem Jahr das Feld geräumt. Ein Auszug, den Minopolis hart zu spüren bekommen hat. Kamen in den vergangenen Jahren konstant 250.000 Besucher jährlich, waren es 2012 lediglich 200.000 Interessenten.

2009 knapp vor dem Aus


Eine turbulente Geschichte hat die Kinderstadt hinter sich. Gegründet 2005, von den Immobilienentwicklern Erwin und Hanno Soravia, stand Minopolis schon einmal knapp vor dem Aus. Zu mager waren die Umsätze. Selbst im dritten Jahr nach der Gründung warf die Kinderstadt keine Gewinne ab, hieß es in den damaligen Medienberichten. Die Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut, meinten die Eigentümer. Vergeblich suchten sie nach neuen Sponsoren. Auch bei der Stadt Wien klopften die Soravia-Brüder um Förderungen an. Ohne Erfolg. Das Ende galt im Februar 2009 für besiegelt. Eltern machten online mobil für den Freizeitpark, während Vertreter der katholischen Jungschar sich die Hände rieben über die Schließung der Erlebniswelt, die "den Glauben an den unbegrenzten Kapitalismus" verkörpern würde. Doch das Ende blieb aus. Im März 2009 kaufte Sami Hamid, Eigentümer der Beteiligungsgesellschaft Altamont Capital Investment AG, 90 Prozent der Anteile der Soravia-Brüder. Die Priorität: Minopolis sollte saniert und internationalisiert werden. "Das ist dem früheren Eigentümer nicht gelungen. Woran das auch immer gelegen ist, will ich nicht kommentieren", sagt Geschäftsführerin Böhringer. Bereits 2008 hatte man angekündigt, Minopolis in andere Länder zu exportieren, unter anderem in die südrussische Großstadt Krasnodar und in das arabische Golfemirat Bahrain. Unter den neuen Eigentümern steht nun ein Minopolis-Ableger in Krasnodar, weitere sind in Planung, unter anderem im saudischen Riyadh, in Kuwait und in Istanbul.

In Wien ist die Eröffnung am neuen Prater-Standort für das Frühjahr 2014 geplant. Bis dahin bleibt die Kinderstadt an der Reichsbrücke eröffnet. Sobald die Mietverträge unterschrieben sind und die Finanzierung endgültig aufgestellt ist, will man mit der Adaption des neuen Standorts beginnen. Die 25 bisherigen Themenstationen sollen auf 30 aufgestockt werden. Noch ist man auf der Suche nach Sponsoren und Partnern. 1000 Euro kostet ein Quadratmeter für potenzielle Investoren, für das jährliche Bespielen der Station wird je nach Konzept noch einmal extra verrechnet.

"Bei uns geht es darum, dass Unternehmen nachhaltig ihre Werte an die nächste Zielgruppe weitergeben können", erklärt Böhringer, "im spielerischen Erleben ist eine andere Vermittlung möglich." Einige Pädagogen kritisieren genau das an der Kinderstadt: Zielgruppenakquirierung. Gehirnwäsche par excellence. Böhringer gibt sich gelassen: "Das schwingt mit, aber das ist nicht das vordergründige Ziel."