Bis Heinz Tauber und seine Mitarbeiter von der Arbeitsgemeinschaft für Nichtsesshaftenhilfe, kurz Arge Wien, vor leeren Wänden und Böden stehen, dauert es in der Regel einen Tag. 70 bis 80 Prozent der Aufträge sind Räumungen. Pro Tag entsorgt das Team fünf bis sechs Tonnen Sperrmüll mit rund zehn Autos. Der Großteil wird entsorgt, der Rest am hauseigenen Flohmarkt weiterverkauft.

Fetisch-Utensilien


Trotz aller Professionalität: Manches berührt Tauber dennoch, zum Beispiel alte Familienfotos. Fakt ist aber: Übrig bleibt nur, was einen Handelswert hat, der Rest landet im Müll.

Immer wieder kommen den Siedlungs- und Räumungsspezialisten Insekten unter, die sich in Verlassenschaften eingenistet haben. Und "Verbrechen der Heimwerker", wie Tauber etwa angestrichene Biedermeierkommoden nennt. "Oder einmal haben wir die Wohnung einer Dame entrümpelt, die dort ihr Bordell betrieben hat und delogiert worden ist", erzählt er aus dem Nähkästchen. "Fetisch-Utensilien kommen uns überhaupt immer wieder unter." Die Schamesröte treibt das ihm und seinen Mitarbeitern allerdings nicht ins Gesicht, ebenso wenig, wie sie die persönlichen Schicksale hinter den zu räumenden Wohnungen nahe an sich heranlassen.

Ein anderer Mann, der fast ausschließlich mit Delogierungen zu tun hat, kennt oft die Geschichten hinter solchen Schicksalen: "Zum Beispiel, wenn ein junger Mensch aus behütetem Elternhaus nicht wirklich an das Finanzielle denkt und schwer aus der Schuldenspirale findet", sagt er. Oder Messie-Wohnungen: "Wir haben schon Wohnungen geöffnet, da sind uns die Sachen entgegengeflogen."

Rauschgift und Haustiere


"In einer zum Beispiel war alles bis an die Decke vollgeräumt, nur eine kleine Schlafstelle war frei." Das komme aber nicht regelmäßig vor, öfter habe man es mit Rauschgift und Haustieren zu tun - einmal sogar mit einer ausgewachsenen Riesenschlange.

Eines hat der Mann in seinem Beruf gelernt: "Man muss immer hinter die Fassade schauen." Wenn er eine Wohnung betrete, wisse er in 80 bis 90 Prozent der Fälle gleich, mit wem er es zu tun hat. Aber natürlich könne man sich auch täuschen. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher jener Wiener, der so lange seine Miete nicht zahlen konnte, bis er vor die Türe gesetzt werden sollte. Beim Entrümpeln der Wohnung sind den Entsorgern dann mehrere (Schilling-)Millionen in die Hände gefallen - der Mann hatte das Geld schlichtweg vergessen oder in seiner Messie-Wohnung nicht mehr gefunden.