Sie wollen keine Nüsse aus den USA oder Knoblauch aus China, die Konsumenten am Biomarkt . - © Karrer
Sie wollen keine Nüsse aus den USA oder Knoblauch aus China, die Konsumenten am Biomarkt . - © Karrer

Wien. "Ma schau, endlich wieder richtige Karotten!" So freut sich jemand, dem das immer gleiche Gemüse im Supermarkt zum Hals heraushängt, über individuell gewachsene Karotten frisch vom Bauern. Jeden dritten Samstag im Monat ist Markttag am Floridsdorfer Bruckhaufen. Genauer: Biomarkttag. Bei rund zehn Standlern kaufen Besucher, was sie in unmittelbarer Umgebung nicht bekommen. "Wir haben hier keine Nahversorgung, seit es keine Greißler mehr gibt", sagt Daniela Soykan, die den Markt gemeinsam mit anderen Siedlern initiiert hat: Um diese Versorgung wenigstens einmal im Monat zu bieten, aber auch, um alteingesessene und die neu zugezogene Bewohner zusammenzubringen. Ein Plan, der laut Soykan aufgeht: Bereits am ersten Markttag im August sind trotz Regens zahlreiche Besucher gekommen, um bepackt mit Körben und Taschen Gemüse, Käse, Tees und mehr zu kaufen. Oder um mit Nachbarn zu plaudern. Der Regen hat nicht nur die Standler näher zusammengerückt: Wer ohne Schirm oder Zelt gewesen ist, hat Unterschlupf bei einem besser ausgerüsteten Produzenten gefunden. Oder einen Schirm ausgeliehen bekommen. Und wer als Besucher nicht allzu nass werden wollte, hat die Chance genutzt, sich die Herkunft der Bioöle im Trockenen detaillierter erklären zu lassen oder an Bioseifen zu schnuppern. Kleine Kostproben und "marktschreierische" Einlagen vom Haschahof-Stand inklusive. Soykan erzählt lachend, wie viel sie selbst in ihren Korb geladen hat. Sie weiß aber ebenso wie ihre Mitstreiter, wie viel Arbeit in der Organisation steckt. So hat die 32-Jährige nicht nur ein halbes Jahr lang verschiedenen Bioproduzenten die Türe eingerannt, sie ist auch an ihre Grenzen gestoßen, als sie versuchte, den Biomarkt auf einer öffentlichen Verkehrsfläche stattfinden zu lassen. "Dafür braucht man so viele Genehmigungen, eine Begehung durch das Marktamt usw., dass das für so einen kleinen, privat organisierten Markt wie unseren schon finanziell kaum zu bewältigen wäre", sagt Soykan. Mit der Pfarre am Bruckhaufen in der Kugelfanggasse hat der Verein schließlich eine private Einigung gefunden.

"Die Stadt muss nicht


alles selbst machen"


Auch der Biomarkt in der Gerasdorfer Straße findet auf privatem Gelände statt. Organisatorin Gabriele Tupy kennt die Tücken der Bürokratisierung, sagt aber: "Es muss nicht alles die Stadt selbst machen, sie könnte es allerdings erleichtern, wenn Bürger ihr Lebensumfeld selbst mitgestalten." Immer am zweiten Samstag im Monat sorgt Tupy dafür, dass Menschen aus der Umgebung Bioprodukte kaufen können. "Ich will einfach keine Nüsse aus den USA, Knoblauch aus China oder Erdbeeren im Winter, sondern regionale und saisonale Sachen", sagt die leidenschaftliche Markteinkäuferin. Während Soykan, damals noch Gerasdorferin, die Idee des Grätzel-Biomarktes ebendort aufgeschnappt und mit an den Bruckhaufen genommen hat, hat Tupy zuvor bereits jenen gekannt, der seit 2010 in der autofreien Siedlung Nordmanngasse stattfindet. 2011 hat sie dann ihren ersten eigenen Markt über die Bühne gebracht. Tupy erinnert sich, wie viel Überzeugungsarbeit sie teilweise hat leisten müssen, um Standler zur Teilnahme zu überreden. So habe man etwa ein Dreivierteljahr gebraucht, um Biowurst anbieten zu können. Inzwischen aber hat sich in der Gerasdorfer Straße alles eingespielt - und auch die Produzenten sind zufrieden, sagt Tupy. Die Nachbarschaft ist es ohnehin: "Eine alte Dame hat mich gefragt, ob der Markt jetzt jeden Samstag ist. Sie brauche den so dringend", erzählt sie.