Hernalser Kunstprojekt: Eingang ins Hummelnest, Graffiti-Künstler bei der Arbeit, Michelangelos vitruvianischer Mensch neu interpretiert (v.l.n.r.). Senad Pintol
Hernalser Kunstprojekt: Eingang ins Hummelnest, Graffiti-Künstler bei der Arbeit, Michelangelos vitruvianischer Mensch neu interpretiert (v.l.n.r.). Senad Pintol

Wien. Lediglich die Sonne bringt Licht und Wärme auf das Gelände der Dittersdorfgasse 8 im 17. Bezirk. Heizung gibt es keine und Strom hätte es ohne Hilfe eines lokalen Anbieters auch nicht gegeben. Der Boden des Innenhofs der sogenannten Bakalofts ist voll von Dekorationspapier, Spraydosen, Werkzeug und sonstigem Material, welches dazu dient, das karge Innenleben der ehemaligen Lusterfabrik der Familie Bakalovits zu verschönern. Bereits seit 13 Jahren steht das graue, vierstöckige Gebäude leer. In den Gängen des Hauses riecht es nach frischer Farbe, Lack und marodem Gemäuer. Es wird gesprayt, gemalt und dekoriert wobei der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt sind.

Öffentliche Räume erobern


Heute, Freitag, ist die Eröffnung der "Rummel-Hummel", einer Idee der Erfinder von Tanz durch den Tag (TddT). "Rummel heißt es wegen dem Jahrmarktscharakter und Hummel steht für die Rückkehr der Natur in die Stadt", erklärt Jan Ernst, Sprecher und Koordinator des Kollektivs das Projekt, an dem seit Wochen ehrenamtlich hunderte von Leuten arbeiten.

Wie bei ihrem ersten Projekt geht es dem jungen, kreativen Kollektiv, dessen Herzstück aus einem zehnköpfigen Team besteht, darum öffentliche Plätze, wie Wiesen, zu beleben und zu nützen. In diesem Fall ist es aber ein privater Raum im Besitz der Immobilienfirma Citywert - ganz nach dem Pop-up-Trend, bei dem sich Geschäfte, wie zum Beispiel Restaurants, in leerstehende Räume auf Zeit einmieten. 2014 sollen hier Lofts entstehen, die "Bakalofts". Bedingung für die Nutzung der Räumlichkeiten ist, dass der Name Bakalofts stets erwähnt wird. "Rummel-Hummel ist eine Weiterentwicklung von TddT. Das Element des Jahrmarkts wollten wir intensivieren", sagt Ernst.

Ging es bei TddT um Musik, visuelle Installationen und um das Feiern, so fokussiert sich die Rummel-Hummel auf die alte Tradition der fahrenden Völker aus dem Mittelalter, die herumreisten und ihre Werke und Künste präsentierten. Man will auf lokal produzierte Kunst aufmerksam machen und atelierlosen Künstlern eine Plattform zum Werken und Vernetzen bieten.

Der wohl berühmteste Künstler ist "Evaloca1", ein Straßenkünstler aus der Dominikanischen Republik. Er ist für Tiger und Dompteur verantwortlich, die auf der seitlichen Hausmauer aufgemalt sind. Das Projekt bietet Kunsthandwerk, Schauspielerei, Tanzworkshops, Kinderprogramm, Filmvorführungen, aber auch Musiker, DJs und VJs, die ihr Können zum Besten geben.