Fässerbergung: Am Laberlweg im 22. Bezirk ziehen Arbeiter der Via Donau die Fässer aus dem Wasser. - © Jenis/privat
Fässerbergung: Am Laberlweg im 22. Bezirk ziehen Arbeiter der Via Donau die Fässer aus dem Wasser. - © Jenis/privat

Wien. Und dann passiert manchmal doch etwas. Nach kritischen Medienberichten im Frühjahr wird jetzt die Alte Donau von hunderten alten Fässern zweifelhaften Inhalts befreit. Wenn man den Akteuren glauben kann, sollen diesmal tatsächlich alle Altlasten aus dem beliebten Wiener Badegewässer entfernt werden.

Rückblende: Im vergangenen Frühjahr hatte Gewässerwart Alexander Harnisch von der Österreichischen Fischereigesellschaft (ÖFG) wie schon in den Jahren zuvor rund 200 Freiwillige zusammengetrommelt. Im Rahmen der von Umweltstadträtin Ulli Sima ausgerufenen Aktion "Wien räumt auf" zogen die Helfer Anfang Mai mit Tauchern zig alte Fässer aus dem Wasser. Als bei der Bergeaktion Öl austrat, informierten sie die Feuerwehr, was mit einer Anzeige wegen vorsätzlicher Umweltverschmutzung - darauf drohen bis zu fünf Jahre Haft - für Harnisch endete.

Das Problem ist aber noch weitaus tieferliegend: Am Grund der Alten Donau lagern hunderte gebrauchte Fässer, die als billige Auftriebskörper unter die Steganlagen gebunden wurden. Mit der Zeit schlugen sie leck, Wasser drang ein - doch statt sie zu heben und fachgerecht zu entsorgen, bohrten die Stegbetreiber weitere Löcher hinein und versenkten sie so im Wasser. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden erste Fässer aus der Alten Donau geborgen. Eigentlich zuständig ist der Eigentümer, die Donau-Hochwasserschutz-Konkurrenz (DHK), die sich zu je einem Drittel aus den Kurienpartnern Bund, Stadt Wien und Land Niederösterreich zusammensetzt. Ihre Geschäfte führt die Via Donau, die wiederum seit fünf Jahren jedes Frühjahr innerhalb einer Woche rund 200 Fässer aus dem Wasser zieht.

Stegbetreiber zahlen nicht - noch


Bis vor kurzem wollte niemand von Fässern oder gar von Ölresten sprechen. Von "Auftriebskörpern, die zu 98 Prozent sauber sind", war sowohl im Büro Simas als auch in der Magistratsabteilung 45 (Gewässer) die Rede. Doch ein Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" im Mai brachte da ein ganz anderes Bild: Die nach der Bergeaktion der Via Donau in Mulden gelagerten zerquetschten Fässer stanken nach Öl und Lösungsmitteln, im Wasser sorgte eine Ölsperre dafür, dass die Reststoffe nicht ins Wasser liefen.

Kurz nach den Zeitungsberichten forderte der Wiener Gemeinderat auf Initiative der Regierungsparteien SPÖ und Grüne in einem einstimmigen Resolutionsantrag die DHK als Eigentümerin der Alten Donau auf, die Fässer so rasch wie möglich sachgerecht zu entsorgen. Und tatsächlich ist es nun offenbar so weit. Insgesamt vier Wochen lang beseitigt die Via Donau derzeit Fässer aus dem Badegewässer, danach soll die MA 45 noch zwei Wochen eigenständig weitermachen. Die Kosten kann Martina Herz von der Via Donau im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" noch nicht endgültig beziffern - bisher habe eine Reinigungswoche rund 20.000 Euro gekostet. Das Geld dafür holt man sich aber nicht von den Stegbetreibern zurück, da die Herkunft vieler Fässer aufgrund der langen Liegezeit nicht mehr nachvollziehbar sei. Zwar könne sie keine hundertprozentige Garantie abgeben, aber das Ziel sei nun, auf einmal möglichst alle Altlasten aus dem Wasser zu ziehen - sollten dann wieder Fässer im Wasser landen, werde man sehr wohl die Stegbetreiber zur Rechenschaft ziehen. Bis dahin kommen innerhalb der DHK der Bund zu einem Drittel und die Stadt Wien zu zwei Dritteln für die Kosten auf.