Mit Fallen werden Streunerkatzen gefangen. - © Vier Pfoten
Mit Fallen werden Streunerkatzen gefangen. - © Vier Pfoten

Wien. Eine ruhige Straße im 13. Bezirk. Gepflegte Gärten reihen sich aneinander. Es ist noch dunkel, und in den Häusern brennt kein Licht. Ein Kleintransporter biegt in die Straße ein und durchbricht die morgendliche Stille. Neben einem großen Abbild einer gestreiften Katze sind die Worte "Streunermobil" auf dem Fahrzeug zu lesen. Ein junger Mann mit schwarzer Haube springt aus dem Fahrzeug. Er öffnet die Schiebetüre und fördert Transportboxen und Fallen zutage. Stefan Hnat ist Katzenfänger. Seine Aufgabe ist es, im Rahmen des Streunerkatzenprojekts der Stadt Wien und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, wilde Katzen zu fangen und zum Kastrieren zu einem Tierarzt zu bringen.

Das Streunerprojekt, das seit April 2013 in Gang ist, hat zum Ziel, durch Kastrationen die Vermehrung der Streunerkatzen zu reduzieren. Weiters sollen die Tiere medizinisch versorgt werden. Genaue Daten zur Population liegen nicht vor, Vier Pfoten schätzt die Zahl der wild lebenden Katzen in Wien aber auf mehrere Tausend. Im Zuge des Projekts soll auch festgestellt werden, wie viele Streuner es in der Stadt gibt. Über eine eigene Streunerkatzenhotline können sich Menschen melden, die herrenlose Katzen füttern.

Die meisten Anrufe kommen Hnat zufolge aus den Randbezirken, wo die Katzen viele Möglichkeiten zum Verstecken haben und in Baugebieten oder fremden Gärten leben. So auch im 13. Bezirk, wo sich eine Mutterkatze mit ihren vier Monate alten Jungen von einer älteren Dame füttern lässt. Die Kätzchen tollen zwischen den Sträuchern umher, trauen sich allerdings nicht in die Nähe der Menschen.

"Wir haben ihnen schon Namen gegeben. Der da ist Simba, und das ist die Jacky", erzählt die Dame. Stefan Hnat stellt zwei Fallen auf. Bei einer handelt es sich um eine Art große Kiste ohne Boden, die schräg aufgestellt und von einem Holzpflock angehoben wird. An dem Pflock ist eine Schnur befestigt. Sobald sich die Katzen unter der Kiste befinden, zieht Hnat an der Schnur und die Falle schnappt zu. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die andere, kleinere Falle. Durch Ziehen an einer Schnur fällt ein Schiebetürchen herunter und verschließt den Ausgang.

Um den Katzen die Fallen schmackhafter zu machen, werden Futterschalen unter die Kisten gestellt. "Ich sage den Leuten, dass sie die Katzen einen Tag, bevor ich komme, nicht füttern sollen, damit sie hungrig sind und leichter in die Falle gehen", erklärt Hnat. Sobald die Falle vorbereitet ist, legt er sich auf die Lauer. "Geduld ist wichtig beim Katzenfangen", meint er. Die Tiere streichen um die Fallen herum, klettern hinauf und fressen. Aber - es sind nie alle vier Jungen gleichzeitig unter den Kisten, und die Mutterkatze lässt sich gar nicht blicken.