Wien. Ohne Technik geht bei Wahrsagern und Handlesern von heute scheinbar nicht mehr viel. Dieser Eindruck könnte jedenfalls bei kritischen Besuchern der Esoteriktage in der Wiener Stadthalle entstanden sein. "Rechte Hand fünf Euro", ruft ein junger Mann einer Besucherin nach. Optisch würde man ihn weniger an einem Stand mit angeblich glücksbringenden Engelsfiguren und einem vermeintlich hellseherischen Scanner erwarten. Die Besucherin deutet ihm mit einer Geste, was sie von seinem Angebot hält. "Fünf Euro dafür, dass ich meine Hand da rein lege? Sicher nicht", schnauft sie. Der angebliche Handleser versucht seine Methode dennoch zu erklären: Eine Software werte die Handlinien aus. "Ein bisschen ist es auch ein Gag", sagt er leise.

Wenige Meter weiter bietet ein Schweizer Ähnliches an: um das Dreifache des Geldes. "Bei uns wertet aber nicht der Computer aus, sondern ich", versucht er den stolzen Preis zu rechtfertigen. Weil es nichts zu verlieren gibt (bis auf den Gegenwert eines Kinobesuchs inklusive Popcorn und Cola), ruht kurz darauf eine neue Hand auf einem Gerät, das diese gleichzeitig scannt und kopiert. "Die Kopie ist dann zum Mitnehmen", sagt der Mann. Seinen kalten Fingern umfassen die der Kundin. Er widmet sich ihren Handlinien, die nun auch vor ihm am Bildschirm erscheinen, fährt mit einer Art Maus über Symbole und Ziffern auf seinem elektronischen Pult und klickt immer wieder etwas an. Nach wenigen Minuten bescheinigt er der Frau unter anderem ein "freundliches Wesen". Eine Eigenschaft, die vermutlich jeder einfühlsame Mensch erkannt hätte.

Kaffeesatzlesen elektronisch


Eine Wahrsagerin sitzt hinter Tüchern auf einem Polster. Wie viele hier lässt auch sie sich nicht gerne in die Karten schauen. Ein vorsichtiger Blick ins Innere zeigt, wie sie einer älteren Dame die Zukunft voraussagt: aus dem Kaffeesatz und mit Hilfe eines Laptops. Ein Mann mit Halbglatze verbirgt sich dagegen hinter einer schnöden Kristallkugel. Bleibt ein Besucher stehen, taucht seine Assistentin auf: eine große, hübsche Rothaarige im schlichten Kostüm. Eine vollständige Sitzung sei für 80 Euro zu haben, man könne sich aber auch nur für einen Teil entscheiden, das koste weniger, sagt sie. Verwunderter Blick: Kann ein Wahrsager nur die halbe Zukunft voraussagen?

Eine andere Dame bietet an ihrem Stand ein Lebensdeutungs-Spiel an. Es gilt, aus einem Säckchen einen Stein zu ziehen und zu würfeln. "Sie haben eine enge Verbindung zu Einhörnern", sagt sie. "Aha." Warum sie jedes Mal eine andere Zahl fährt, als gewürfelt wurde, bleibt rätselhaft.