Aura-Fotografie, Geist- und Lichtheilung, Sprechen mit Verstorbenen, Kartenlegen, Handlesen, Wahrsagen, Wasseraufbereitung, Schmuck, Energiesteine, Selbstfindung - tatsächlich scheint bei den Esoteriktagen für (fast) jeden etwas dabei zu sein. Und doch bekommt der kritische Besucher den Eindruck, dass es hier weniger um sein Seelenheil geht als vielmehr um das (finanzielle) Heil der Anbieter.

Manche wirken freundlich, manche knallhart: Ein vermeintliches Medium aus München will keinen Flyer hergeben. "Sie können gerne einen haben, wenn sie bei mir eine Sitzung machen", sagt sie harsch. Auch eine Vertreterin von Hare Krishna preist ihre Produkte gleich nach der überreichten Kostprobe zum Kauf an. Nur wenigen Standlern steht "Übernatürliches" nicht auf die Stirn geschrieben. Aber selbst Klangschalen, alkoholfreie Weine, Öle und Cremes finden zwischen Räucherstäbchen und Möchtegern-Gurus ihre Abnehmer.

Nebenwirkungen möglich


Auch wenn Esoterik durch das Internet längst kein reines Großstadtphänomen mehr ist: Mehrheitlich konzentrieren sich Angebote nach wie vor auf den urbanen Raum, sagt German Müller von der Bundesstelle für Sektenfragen in Wien. Zwar gibt es keine seriösen Zahlen zum Umsatz, der mit "Übersinnlichem" gemacht wird, dass es aber häufig auch um Geschäftemacherei geht, scheint klar. Letztlich wird meist versprochen, was mit dem Verstand nicht zu erklären ist.

Müller warnt vor allem vor gravierenden Nebenwirkungen durch Aberglaube und Esoterik. Viele Betroffene sind nicht nur emotional abhängig, sondern
verschulden sich oder riskieren gar ihre Gesundheit. Und: Was vor wenigen Jahrzehnten noch ein Randphänomen war, scheint längst gesellschaftsfähig geworden zu sein - quer durch alle Schichten. Mehr als ein Drittel der Beratungen geht bereits auf Probleme rund um Esoterisches zurück, sagt Müller.

Meist kommen aber nicht Betroffene selbst, sondern Familie oder Freunde. Dabei geht es weniger um das Tragen eines Talismans oder eines Anhängers, sondern um Menschen, die ihr ganzes Leben nach Esoterik ausrichten. In solchen Fällen sollten Angehörige kritische Fragen stellen, die zum Nachdenken anregen, rät Müller. Ablehnung und offene Kritik führen dagegen oft dazu, dass der Betroffene in Abwehrhaltung geht. Gerade weil aber hinter dem Interesse an Esoterik oft eine persönliche Notlage wie etwa eine Erkrankung steht, kann Verständnis helfen, die Beziehung dennoch aufrechtzuhalten.