Wien. Es schien in den vergangenen Tagen so, als würde die Ära der großen österreichischen Banken im 1. Bezirk zu Ende gehen. Nach dem Verkauf der einstigen Länderbank-Zentrale Am Hof vor fünf Jahren sowie dem baldigen Verkauf der früheren Creditanstalt-Zentrale am Schottenring und den anstehenden Absiedelungen der Bank Austria zum Nord- und der Erste Bank zum Hauptbahnhof würde ein von den Medien in den vergangenen Tagen kolportierter Verkauf des altehrwürdigen Postsparkassengebäudes und der jetzigen Bawag-PSK-Zentrale, ein Abschied der Bankenwelt aus der Innenstadt bedeuten.

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" ist dieser Verkauf auch sehr wahrscheinlich, die zentrale Bedingung dafür sei aber ein Verbleib der Bawag PSK in dem von Otto Wagner errichteten Gebäude. Damit bleibt die Bank die letzte Bastion in der Inneren Stadt.

Gedruckt auf Geldscheinen

Dennoch: Der mögliche Verkauf der Ikone unter den österreichischen Bankhäusern würde einem "Verscherbeln" des Familiensilbers gleichkommen. Das Bauwerk am Georg-Coch-Platz 2 in Sichtweite des Stubenrings ist eines der berühmtesten Jugendstilgebäude von Wien. Errichtet in den Jahren 1904 bis 1906 sticht vor allem der sogenannte Kassensaal als Prunkstück hervor. So gilt etwa die gewagte Glaskonstruktion, die dem Saal Sakralität verleiht, als bahnbrechend in der Architektur-Geschichte. In den Jahren 1985 bis 1997 wurde das Gebäude auf die Rückseite des 500-Schilling-Scheins gedruckt.

Auch wenn man sich aufseiten der Bawag PSK noch bedeckt hält, die Anzeichen für einen Verkauf verdichten sich. Senora Immobilien Vier - eine Gesellschaft der Firma Signa Prime 2012 Eins des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko - hat den geplanten Deal bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet. Auf der BWB-Homepage ist ein solcher Eintrag zu lesen. Laut "Wirtschaftsblatt" schätzen Experten den Kaufpreis der derzeitigen Bawag-PSK-Zentrale auf rund 150 Millionen Euro. Das Jugendstil-Gebäude ist denkmalgeschützt. Eine Stellungnahme zu einem möglichen Kauf gab es von Benkos Immobilienfirma bisher aber noch nicht.

Laut Bawag-PSK-Sprecherin Sabine Hacker wird ein möglicher Verkauf des Zentralgebäudes an einen Immobilieninvestor evaluiert. "Die Bank steht hierzu in Gesprächen mit mehreren interessierten Investoren. Bisher wurden keine Entscheidungen zum Verkauf getroffen." Wesentlich konkreter liest sich die Mitteilung der BWB: "Die Senora Immobilien Vier GmbH & Co OG beabsichtigt den Erwerb (...) der auf den Liegenschaften befindlichen Büro- und Bankgebäude von der Eigentümerin Bawag PSK Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft (Asset-Deal)."

"Eigentümer nicht wichtig"

Für Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, ist ein möglicher Verkauf keine Tragödie. "Wenn ich mir die letzten 15 Jahre im 1. Bezirk ansehe, dann glaube ich nicht, dass irgendein Objekt noch in Besitz des ursprünglichen Eigentümers ist." Außerdem sei für das Denkmalamt die denkmalgerechte Erhaltung des Objektes und nicht der Eigentümer wichtig. Eine der Qualitäten des Postsparkassengebäudes liege im Kassensaal, so Neubauer. Egal wer der Besitzer sei, das Denkmalamt werde danach streben, dass der Saal möglichst unverändert erhalten bleiben werde.

Im Gegensatz zu dem Bankhaus am Georg-Coch-Platz steht der Verkauf eines weiteren legendären Bankhauses der Republik bereits fest. Der Verkaufsprozess der Zentrale der ehemaligen "monetären Visitenkarte Österreichs", der Creditanstalt (CA), sei bereits gestartet worden und stehe in den finalen Verhandlungen, heißt es bei der Bank Austria, Tochter des italienischen Finanzriesen und Besitzer des Gebäudes, Unicredit. Die Bank wird im Gegensatz zur Bawag PSK aber nicht im Gebäude bleiben, sondern ab 2016/17 in den neu fertiggestellten Bürokomplex am Nordbahnhof ziehen.