Wien. (sts/sf/apa) Zerbrochene Auslagen und Scheiben von Polizeiautos am Wiener Graben, Böller, Farbbeutel und zahlreiche Verletzte: Die angekündigten Protestkundgebungen gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg sind am Freitagabend außer Kontrolle geraten. Nachdem die Polizei kurz vor 19 Uhr die Demonstrationszüge in Richtung Stephansplatz für aufgelöst erklärt hatte, kam es zu Ausschreitungen und zahlreichen, laut Polizei ziellosen Sachbeschädigungen. Eine gewaltbereite Gruppe - laut einem Polizeisprecher mehr als hundert Personen - warf beim Stephansplatz Knaller und Farbbeutel. Bei einem ORF-Fahrzeug ging eine Scheibe zu Bruch. Die Auslagen von Juwelieren, Modegeschäften und eines Cafés wurden eingeschlagen, wie eine vor Ort anwesende Journalistin der "Wiener Zeitung" berichtete. Beim Stephansplatz versuchte ein Demonstrant, in die Bank-Austria-Filiale einzudringen, scheiterte aber am Panzerglas.

Pfefferspray und Tränengas

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Ein Streifenwagen der Polizei wurde Am Hof schwer beschädigt, Demonstranten gingen gegen die dortige Polizeiwache mit Brettern und Steinen los. Es kam zu Festnahmen. Auch in der Wipplingerstraße wurden Auslagenscheiben zerstört. Kritische Situationen gab es vor allem in der Löwelstraße, am Burgtor und am Michaelerplatz, teilte ein Polizeisprecher mit. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Die Polizei setzte Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Kundgebungsteilnehmer ein. "Einige Leute mussten geführt werden, weil sie auf Grund des Pfeffersprays die Augen nicht mehr öffnen konnten. Andere hatten heftige Platzwunden", schilderte eine Aktivistin. Die Infozentrale glich laut der Aktivistin einem Lazarett. Polizeisprecher Roman Hahslinger verteidigte angesichts der "massiven Sachbeschädigungen" diesen "Waffengebrauch".

Hinter dem Burgtheater kam es zu Prügeleien, dabei wurden einige Demonstranten verletzt. Wie der "Standard Online" berichtet, wurde es kurz vor 20 Uhr Medienvertretern untersagt, die abgesperrte Zone beim Burgtheater zu verlassen. Als kurz danach vermummte Aktivisten erschienen, prügelten Beamte wild drauf los. Ein "Standard"-Fotograf erlitt Schläge in die Nierengegend.

Rund 50 Personen schafften es in die Sperrzone vor die Oper. Die Polizei räumte diese Versammlung, gegen 20 Uhr wurde der "schwarze Block" von der Exekutive in der Löwelstraße hinter dem Burgtheater eingekesselt. Bei den drei großen Protestzügen gegen den Ball der FPÖ zählte die Polizei insgesamt 6000 Demonstranten. 2000 Polizisten aus zahlreichen Bundesländern waren im Einsatz, im Vorfeld war ein großräumiges Platzverbot und ein Vermummungsverbot in allen Wiener Bezirken innerhalb des Gürtels angeordnet worden. Für Ärger sorgte auch das für Journalisten geltende Platzverbot: Medienvertreter durften nur zu "bestimmten Zeiten und wenn der Bedarf besteht in Begleitung eines Pressesprechers in die Zone hinein", hieß es am Freitag.