Als eine Ursache für das Entstehen von Gewalt nennt Maria Rösslhumer, die Geschäftsführerin des Vereins der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, die Abhängigkeit. Frauen, die wegen der Kinder ihren Job aufgeben müssen und nicht mehr ins Erwerbsleben zurückfinden, sind besonders verwundbar, da sie vom Ehepartner oder Lebensgefährten abhängig sind.

Bis eine betroffene Frau Hilfe in Anspruch nimmt, würden oft Jahre vergehen, meint Rösslhumer. Die Hemmung, sich an die Polizei zu wenden, sei besonders groß. "Die Frauen wollen den Mann schützen, sie wollen nicht, dass er den Job verliert", nennt sie Loyalität als einen der Gründe. Viele Frauen fühlten sich zudem schuldig und schämten sich, wenn sie ihre Gewalterfahrungen einer Institution mitteilen und aus der Privatheit heraustreten.

Für Migrantinnen ist es besonders schwierig, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Sie sind von ihrem Partner abhängig und zählen zu den hoch gefährdeten Personen. Sie haben weniger Perspektiven, leben oft isoliert, wissen kaum Bescheid über Hilfsangebote und kämpfen mit der Sprachbarriere. Im Falle einer Trennung kann es sein, dass ihr Aufenthaltsstatus noch nicht gesichert ist, und um ein Niederlassungsrecht zu erhalten, müssen sie den Nachweis über das gesetzliche Mindesteinkommen erbringen. Dies stellt für Migrantinnen vor allem dann eine große Hürde dar, wenn sie keinen sicheren Job haben. "Migrantinnen wird auf dem Weg in ein selbständiges Leben nicht geholfen", sagt Berivan Aslan, die Frauensprecherin der Grünen. Sie fordert das bedingungslose Recht auf einen eigenständigen Aufenthaltsstatus für alle Frauen. Asylwerberinnen in der Grundversorgung und Frauen ohne Dokumente haben es doppelt schwer. Sie dürfen Hilfseinrichtungen wie Frauenhäuser nicht uneingeschränkt nutzen, da von Fördergebern Beschränkungen festgelegt werden.

Justiz und Polizei müssen handeln


In den vergangenen Jahren ist im Bereich Prävention und Opferschutz viel geschehen, freut sich Maria Rösslhumer. Das Gewaltschutzgesetz aus dem Jahr 1997, in dem die Wegweisung und das Betretungsverbot für Gewalttäter sowie die einstweilige Schutzverfügung geregelt sind, wurde verbessert. Ein neuer Strafbestand der "fortgesetzten Gewaltausübung" wurde eingeführt. Im Vorjahr hat Österreich die Istanbul-Konvention ratifiziert, in der gefordert wird, dass Gewalttäter zur Verantwortung gezogen werden müssen.

Die Maßnahmen sollen laut Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Rahmen eines nationalen Aktionsplans umgesetzt werden. Dennoch hätten viele Frauen, die aus derartigen Beziehungen ausbrechen, mit Ungerechtigkeiten zu kämpfen. "Wir leben im Patriarchat", sagt Rösslhumer, "Frauen werden nicht gleichberechtigt behandelt." Hilfesuchende Frauen werden von einer Institution zur nächsten geschickt, es wird ihnen nicht geglaubt. Die Frauen und ihre Erfahrungen müssen von jeder Behörde mit größter Sorgfalt und Menschlichkeit behandelt werden, von der Polizei bis zur Justiz. Rösslhumer: "Jeder Hilferuf muss ernst genommen und gehört werden."