Wohnungen für sozial Schwache , wie der Wildganshof im 3. Bezirk, war die Idee der Roten in der Ersten Republik. Diese Idee wollen sie nun gewürdigt wissen. - © Stanislav Jenis
Wohnungen für sozial Schwache , wie der Wildganshof im 3. Bezirk, war die Idee der Roten in der Ersten Republik. Diese Idee wollen sie nun gewürdigt wissen. - © Stanislav Jenis

Wien. Was haben die Spanische Hofreitschule, der Wiener Dudler und die Wiener Kaffeehauskultur gemeinsam? Sie sind Kulturerbe. Konkret immaterielles Kulturerbe Österreichs. Zum immateriellen Kulturerbe zählen Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Konkret umfasst das immaterielle Kulturerbe mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, das Wissen und die Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste sowie traditionelle Handwerkstechniken. So sieht es die Weltkulturorganisation Unesco vor. Das immaterielle Kulturerbe ist also das gedankliche Pendant zum "handfesten" Unesco-Welterbe, zu dem zum Beispiel das Schloss Schönbrunn und das historische Zentrum der Stadt Wien gehören.

Obwohl auch sattsam handfest, sollen die 328 Gemeindebauten aus der Ersten Republik aber nicht Eingang in den Katalog des materiellen Kulturerbes finden, sondern als Idee geadelt werden. Es war die SPÖ-Ottakring, die diesen Vorschlag innerparteilich forciert hat. "Es geht weniger um die Architektur der Gemeindebauten alleine, sondern um den Gedanken dahinter: Dass nämlich auch sozial Schwache die Möglichkeiten haben sollen, menschenwürdig zu wohnen", erklärt Susanne Haase von der SPÖ-Ottakring, warum diese Gemeindebauten nicht als materielles, sondern als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden sollen. Darüber hinaus sei der Status des immateriellen Kulturerbes leichter zu erreichen, und es handle sich schließlich um Wohnbauten, in denen zigtausende Menschen wohnen. Als Weltkulturerbe würden diese Bauten kaum noch modernisierbar sein. Deshalb also der Plan, die seit dem Jahr 2009 bestehende Liste des heimischen immateriellen Kulturerbes um den sozialen Wohnbau des roten Wiens der Ersten Republik zu bereichern.

Im Februar hat die SPÖ-Ottakring diesen Antrag mehrheitlich beschlossen, im April soll dieser beim Parteitag der SPÖ-Wien ebenfalls abgesegnet werden. Danach geht es überparteilich weiter. Die Stadtroten reichen den Antrag an die österreichische Unesco-Kommission weiter, die schließlich entscheidet, ob Friedrich Engels-Hof & Co. Kulturerbe werden. Die Kommission unter Leitung von Maria Walcher hat bereits 52 Sitten und Bräuche, Eigenarten und Fertigkeiten, Einzigartigkeiten und Besonderheiten in die begehrte Liste aufgenommen.