Wo der Kunde Geduld beim Einkaufen mitbringen muss: Andrea Lunzers Greißlerei. - © Holzinger
Wo der Kunde Geduld beim Einkaufen mitbringen muss: Andrea Lunzers Greißlerei. - © Holzinger

Wien. Die Einrichtung ist schlicht. In dem hohen Raum steht eine Stellage mit Obst und Gemüse, an der Wand sind Behälter voller Getreide, Nüsse und Nudeln angebracht. Gläser mit Gewürzen und Tees sind auf einem Tisch angeordnet. Neben der Auslage stehen Metallspender gefüllt mit Sonnenblumen-, Oliven- und Distelöl. Über dem Tresen ist in großen Buchstaben "Lunzers Maß-Greißlerei" zu lesen. Juliane Lackner hat verschiedene kleine Glasbehälter mitgebracht, die von einer Verkäuferin abgewogen werden. Das Gewicht wird auf einem kleinen Klebezettel notiert und an den Behältern angebracht.

"Bei uns gibt es drei Möglichkeiten einzukaufen", sagt Andrea Lunzer, die Besitzerin der Maß-Greißlerei. Die Kunden können entweder ihre eigenen Behälter zum Einkaufen mitnehmen, im Geschäft Vorratsdosen kaufen oder die Einkäufe in Papiersackerl verstauen. Lunzer erklärt das Konzept ihres Lebensmittelgeschäftes: "In der Maß-Greißlerei geht es um Ressourcenschonung durch Verpackungsvermeidung." Alle Lebensmittel werden offen angeboten, die Kunden können sich die Mengen selbst zusammenstellen.

Andrea Lunzers Beschäftigung mit der Verpackung von Lebensmitteln begann während ihrer Zeit bei einer großen Biomarke. Dort war sie im Marketing tätig. "Wie bei vielen Herstellern ist die Verpackung im Marketing angesiedelt." Irgendwann interessierte sie sich mehr für die Verpackung als für die Produkte. Sie wollte herausfinden, wie man Verpackungen nachhaltig gestalten könnte. "Für mich hat das nie zusammengepasst - die tollen Produkte, für welche man den Bauern sehr strenge Vorgaben gibt, und dann werden viele Produkte aber konventionell verpackt." Bald wurde ihr klar, dass die nachhaltigste Verpackung keine Verpackung ist. "Obst und Gemüse haben ja oft schon eine Verpackung, die so perfekt ist, dass man sie gar nicht nachmachen kann. Wie zum Beispiel die Schale eines Apfels oder einer Banane." In vielen Geschäften wird das Obst aber mit einer Folie auf eine Kartontasse geschweißt und mit einem Etikett versehen. Dadurch fällt viel Verpackungsmüll an: Im Jahr 2012 wurden von der Altstoff Recycling Austria (ARA) in Wien pro Kopf rund 93 Kilogramm Verpackungsmüll aus den Haushalten gesammelt und verwertet.

Der freie Kunde


Die Maß-Greißlerei ist für Lunzer der Versuch, gänzlich auf Verpackungen zu verzichten. Seit rund elf Wochen gibt es das Geschäft in der Heinestraße im 2. Bezirk. Das Konzept werde von den Kunden gut angenommen. Lunzer ist positiv davon überrascht, wie viele Kunden mit eigenen Gefäßen kommen. An manchen Tagen läuft das Geschäft besser als an anderen. Unter der Woche, wenn die Leute nach der Arbeit einkaufen, ist es für sie schwieriger, mehrere Dosen mitzunehmen. Dadurch, dass die Lebensmittel nicht zu fixen Mengen zusammengeschweißt sind, hätten die Kunden beim Einkauf mehr Freiheit. Sie können sich nehmen, soviel sie wollen. "Ich habe gerade von älteren Damen das Feedback bekommen, wie glücklich sie sind, dass sie jetzt wieder einen einzelnen Knoblauch kaufen können", erzählt Lunzer.