Wien. Was lange liegt, wird endlich gehoben. Wenn nur der Druck stark genug ist. So zumindest geschehen im Fall hunderter alter Fässer, die noch bis vor wenigen Monaten am Boden der Alten Donau vor sich hinrotteten. Nach Berichten der "Wiener Zeitung" wurden diese in einer außertourlichen Räumaktion geborgen, auch das Verhältnis zwischen der Stadt und den freiwilligen Helfern hat sich normalisiert.

Schon seit mehr als zehn Jahren ist bekannt, dass auf dem Grund der Alten Donau zig alte Fässer zweifelhaften Inhalts vor sich hinrosten. Die Stegbetreiber benutzten sie als "Auftriebskörper", wenn eines leckschlug, wurde es meist nicht aus dem Wasser geholt und fachgerecht entsorgt, sondern einfach im Badegewässer versenkt. Das Problem: Viele dieser Fässer dürften nicht restentleert gewesen sein. Als im vergangenen April Gewässerwart Alexander Harnisch im Rahmen der Aktion "Wien räumt auf" 200 Freiwillige zusammentrommelte, um die Alte Donau wie jedes Frühjahr zu reinigen, bargen sie auch zahlreiche Fässer. Laut Augenzeugen war der Steg schon ölverschmiert, als ein Fass bei der Hebung Öl im Wasser verlor.

Anzeige gegen Umweltschützer

Die Aktion wurde unterbrochen, die Ölspur von der Feuerwehr gebunden. Die rief die Polizei und einen Vertreter der zuständigen Magistratsabteilung 45 (Gewässer). Weil Letzterer aber nicht davon wusste, dass die Aktion genehmigt war, gab es für Harnisch eine Anzeige wegen vorsätzlicher Umweltverschmutzung.

Schon damals sprach der Leiter der MA 45, Gerald Loew, in der "Wiener Zeitung" von einem "Kommunikationsproblem". Dass in den Fässern umweltschädliche Stoffe sein könnten, wurde im Büro von Umweltstadträtin Ulli Sima vehement bestritten. Dort war von höchstens einigen "Öltropfen" die Rede. Davon konnte sich die "Wiener Zeitung" im Mai 2013 ein Bild machen: An jener Stelle, an der die Donau-Hochwasserschutz-Konkurrenz (DHK) Fässer aus dem Wasser gezogen hatte, musste eine Ölsperre errichtet werden, es stank nach Lösungsmitteln, Fäulnis und Öl. Der DHK gehört ein großer Teil der Alten Donau, sie setzt sich zu je einem Drittel aus den Kurienpartnern Bund, Stadt Wien und Land Niederösterreich zusammen. Ihre Geschäfte führt die Via Donau, die jedes Jahr rund 200 Fässer aus der Alten Donau zieht.

Nach dem Bericht über die schiefgegangene Reinigungsaktion von Harnischs Freiwilligen forderte der Gemeinderat die DHK einstimmig dazu auf, "alle alten Blechfässer am Grund der Alten Donau so rasch wie möglich heraus zu tauchen". Und tatsächlich: Im Herbst legte die DHK vier, die Stadt Wien zwei zusätzliche Tauchwochen ein. Damit wurden, so heißt es, alle Fässer entfernt.

"Wir waren selbst überrascht"

Alleine bei der DHK dürften die Gesamtkosten bei rund 80.000 Euro gelegen haben. "Wir waren selbst überrascht, dass wir noch so viele Fässer aus dem Wasser gezogen haben", sagt Loew. Die Stegbetreiber wurden nicht zur Rechenschaft gezogen, da man die Fässer laut DHK nicht mehr richtig zuordnen konnte. Sollten allerdings wieder neue Auftriebskörper "unabsichtlich" im Wasser landen, müssen die Betreiber laut Loew sehr wohl zahlen. Die DHK will im Mai auch noch einmal eine "Sondierungsfahrt" machen, um allfällige Sünder aufzuspüren.

Insgesamt ist er zufrieden mit dem Ausgang des Streits: Neben einer sauberen Alten Donau habe sich auch die Kommunikation mit der Fischereigesellschaft wieder verbessert. Das sagt auch Gewässerwart Harnisch. Er hat im Februar den Bescheid bekommen, dass das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde. Am Samstag wird sogar die diesjährige Reinigungsaktion gemeinsam durchgeführt - allerdings nur auf dem Papier. Denn die von Harnisch koordinierten Umweltschützer und die MA 45 werden an unterschiedlichen Stellen tauchen. Sollten doch noch Fässer auftauchen, dürfen die Freiwilligen sie auch nicht selbst entsorgen. "Aber das Positive muss in den Vordergrund gestellt werden", sagt Harnisch. Also doch noch ein Happy End.