Hemayat - auf Farsi - bedeutet so viel wie "Schutz" und "Heimat". Nach diesem Prinzip arbeitet auch das Betreuungszentrum. Neben klassischer medizinischer und psychiatrischer Versorgung bietet der Verein verschiedenste, speziell auf Kriegs- und Folteropfer sensibilisierte Therapiestunden. Dolmetsch-unterstützt, versteht sich. Denn die Barrieren zwischen den Betreuern und Betreuten sind auch ohne Sprachprobleme enorm. Neben den therapeutischen Kompetenzen müssen die Therapeuten und Übersetzer bei Hemayat auch über großes kulturelles Wissen verfügen, betont Brauner. "Die Psyche verfügt bei so schweren Traumata über ein natürliches Verdrängungsprinzip. Da hilft es, wenn man in der Therapie über den jeweiligen Folterhintergrund spezifisch Bescheid weiß und Zusammenhänge verdeutlichen kann."

5000 Therapiestunden


Mehr als 5000 Therapiestunden hat ihre Kollegin Ramirez-Castillo 2013 vermittelt - bei immer rascher steigendem Bedarf. Mehr als 300 Personen stehen aktuell auf der Warteliste des Vereins. Vor allem bei Kindern ist eine rasche Behandlung besonders wichtig. Denn die Eltern, meistens selbst Opfer von Gewalt, können sich angesichts ihrer eigenen Traumatisierung nicht genügend um die Bedürfnisse ihrer Kinder kümmern. Unbeachtet bleibt den Kindern oft nur der stille Rückzug. Die Zahl der Folgeerkrankungen bei Folteropfern liegt aber nahezu bei 100 Prozent. Irgendwann holt einen das Gräuel ein.

"Wir kriegen ständig Anrufe von Jugendbetreuungszentren, Kindergärten oder überforderten Schulen, die uns als letzte Anlaufstelle kontaktieren. Plötzlich und scheinbar ohne ersichtlichen Grund werden Kinder in der Schule aggressiv, hören auf zu sprechen, werden apathisch", erklärt Ramirez-Castillo.

Als Trigger - also der Auslöser, der ans Erlebte erinnert - kann alles fungieren. Lautes Klopfen beim gemeinsamen Musizieren in der Schule, Fahrscheinkontrollen in der Straßenbahn, uniformierte Beamte im Zuge des Asylverfahrens. Und schon geht es wieder los - die Erinnerungen bekommen die Oberhand.

In der Therapie arbeiten Brauner und ihre Kollegen in erster Linie situationsstabilisierend - zeigen zugängliche Lösungen auf, hören zu und widmen sich den Geschichten der Menschen. "Allein die Tatsache, dass wir während der Betreuung eine stabile Beziehung bieten, nicht weggehen, zuhören und Verständnis zeigen, bewirkt unheimlich viel", betont Brauner. Bereits nach acht bis zehn Stunden in Therapie könnte vielen Betroffenen geholfen werden.

Zusätzlich zu den Therapieangeboten müsse man aber vermehrt präventiv arbeiten - Schulungen für Mitarbeiter im Asylverfahren anbieten. Mit Schulen und Ausbildungszentren in Kontakt treten. Vermehrt Sensibilisierung für Kriegs- und Folteropfer vermitteln. "Viele Stellen sind ja allemal bereit sich in diese Richtung weiterzubilden, wenden sich hilfesuchend an uns, weil sie das Problem erkennen", betont Ramirez-Castillo. Kapazitäten wären auch allemal vorhanden: Therapeuten, Räume und Mitarbeiter, die sich auskennen. Nur am lieben Geld scheitert es wie so oft. Mit den 50.000 Euro von der Benefizveranstaltung der letzten Benefizauktion konnte im vergangenen Jahr 125 Menschen ein Therapieplatz angeboten werden.