Wien. (iw/apa) "Hey, wir wollen die Eisbären seh’n", singt ein Kinderchor zu Ehren der Eröffnung der neuen Eisbäranlage im Tiergarten Schönbrunn. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit eröffnete am Donnerstag das neue Gehege, das mit 1700 Quadratmetern dreimal so groß ist wie das alte. Es ist das größte Bauprojekt in der Geschichte des Tiergartens Schönbrunns seit 20 Jahren.

Für den Neubau nahm das Wirtschaftsministerium neun Millionen Euro in die Hand. Vom neuen "Franz-Josef-Land" erhofft sich Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhold Mitterlehner auch mehr Besucher: "2013 war vor allem aufgrund des Wetters kein gutes Jahr. Der milde Winter heuer hat uns in den ersten Monaten eine Steigerung von 40 Prozent beschert", so Mitterlehner im Rahmen der Eröffnung. Insgesamt kostete der Umbau dem Tiergarten 10,7 Millionen Euro.

Das neue Gehege hat einiges vorzuweisen: Die Schwimm- und Tauchbecken umfassen 630.000 Liter Wasser. Zwei Drittel davon sind mit Salzwasser, die restlichen Becken mit Süßwasser gefüllt. Eine 47 Quadratmeter große Photovoltaikanlage am Dach wird einen Teil des Stroms für die Wasseraufbereitung erzeugen. Statt vorwiegend Felsen wurde nun eine Landschaft mit wechselnden Bodenstrukturen wie Fels- und Geröllflächen, Wasserfällen und Bächen erschaffen.

Unterwassereinblicke

Die Wasserfläche beträgt 450 Quadratmeter. Das größte Tauchbecken ist fünf Meter tief und aufgrund der Verglasung können die Tiere beim Tauchen beobachtet werden. Der sogenannte Polardom bietet nicht nur Unterwassereinblicke, sondern auch Information zu Lebensraum, Gewohnheiten und Leben der Bären. "Eisbären sind zum Symbol für den Klimawandel geworden", so Tiergarten-Direktorin Dagmar Schratter. Mit einer Ausstellung im Polardom wolle man auf diese Problematik aufmerksam machen.

Doch nicht das neue Gehege war die eigentliche Hauptattraktion, sondern die zwei neuen Eisbären Lynn und Ranzo. Sie sind beide zweieinhalb Jahre alt und sind vor eineinhalb Wochen in Wien angekommen. Lynn kommt aus den Niederlanden und Ranzo aus Finnland. Sie wurden vergangene Woche in der Innenanlage aneinander gewöhnt. "Da hat es am Anfang ein bisschen ein Gebrüll gegeben. Lynn hat gleich gezeigt, dass sie die Hosen anhat - seitdem funktioniert es", sagt Schratter. Am Eröffnungstag demonstrieren die zwei Bären jedenfalls Harmonie: Unter Blitzlichtgewitter tauchen sie im Becken, kauen auf ihrem Fisch- und Kuhrippen-Frühstück herum und turnen durch das Gehege. Auch Ranzo zeigte keine Wasserscheu und Vorsicht mehr, ganz im Gegensatz zu seinen ersten Tagen in Wien. "Wir haben am Anfang gedacht, er kann gar nicht schwimmen, weil er nur in den Flachbereichen unterwegs war", schilderte die Direktorin.

Zweieinhalb Jahre lang gab es in Schönbrunn nun keine Eisbären mehr. Vor dem Umbau wurden die Tiere in andere Länder gebracht. Für bedrohte Tierarten wie die Eisbären gibt es in Zoos das sogenannte Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Ein Zuchtbuchführer gibt Empfehlungen ab, welche Eisbären in welchen Zoo kommen. "Auf diese Weise werden Gruppen oder neue Pärchen zusammengestellt", heißt es laut Tiergarten. Im Mai 2010 sind die Eisbärenzwillinge Arktos und Nanuq im Rahmen des Erhaltungszuchtprogrammes in den Zoo Hannover übersiedelt. Arktos ist mittlerweile im Highland Wildlife Park in Schottland. Eric und Olinka, die Eltern der Zwillinge, sind nach Rotterdam übersiedelt und haben dort 2010 für Nachwuchs gesorgt. Das Weibchen Tania ist anschließend in den Zoo Budapest gekommen, aber dort bereits verstorben.

"Die Bären hier haben sich sehr sehr gut eingelebt, wir haben aber auch das Glück gehabt, dass sie sich von Anfang an gut verstanden haben", versichert die Zoodirektorin. Nun warte man natürlich auf möglichen Nachwuchs. Das werde aber vermutlich noch einige Jahre dauern. Deshalb kann die Anlage im Bedarfsfall auch in zwei Teile geteilt werden, um einen eigenen Mutter-Kind-Bereich zu schaffen.

Nachdem die Bären nun erfolgreich eingezogen sind, plant der Tiergarten schon neue Projekte: Als nächstes soll die Giraffenanlage umgebaut werden.