Für die Mieter ist dieser Vorgang unverständlich: "Das ist die teuerste Heizart, weil elektrisch. Außerdem haben wir uns für ein Passivhaus entschieden, weil wir ökologisch wohnen wollten." Wie die - durch die E-Heizung - zusätzlichen Kosten abgerechnet werden, wissen die Mieter nicht. Auf Nachfrage bei der Arwag gab es dazu keine Antwort.

Die vom Bauträger angekündigte Feinjustierung der Anlage wurde nach einiger Zeit dann durchgeführt: In den zu warmen Wohnungen wurde die Luftmenge gedrosselt, in den zu kalten Wohnungen erhöht. Zu Verbesserungen führten die Maßnahmen jedoch nicht. "Durch die zusätzliche Luft wurde die Luft trockener und die Anlage ist so laut, dass ich nicht mehr schlafen kann", sagt einer der Mieter. In den Wohnungen, wo der Luftstrom reduziert wurde, erhöhten sich die CO2-
Werte.

Vonseiten der Arwag hält man sich zu den Vorwürfen bedeckt. Nur soviel: "Der Fall liegt bei der Schlichtungsstelle, die sich nach Auswertung bei uns melden wird, welcher Ansicht sie sind", sagt Stefan Hawla.

Für Günter Lang, Chef der Passivhaus Austria, steht eines fest: "Wenn der Heizwärmebedarf nicht unter 15 kWh/m² pro Jahr liegt, dann ist es kein Passivhaus." Auch er kennt die Daten des Bauplatzes. Ob er das Gebäude in die Liste der österreichischen Passivhäuser aufnehmen werde? "Dieses Objekt nehmen wir mit Sicherheit nicht auf."

Baukosten im 1-Prozent-Bereich


In dem Gebäude dürften offensichtlich doch gewisse Einsparungen gegenüber den ursprünglichen Planungen erfolgt sein, die sich nun rächen würden, sagt Lang. "Es ist klar, dass im sozialen Wohnbau unter dem Titel leistbares Wohnen auf jeden Cent geschaut wird und man da scheinbar von Haus aus Kosten einsparen möchte." Die Baukosten wären aber nicht einmal um ein Prozent höher gewesen.

Um eventuelle Missstände bereits im Vorhinein zu verhindern, fordert er, dass Förderungsgelder erst nach der Vorlage der Energierechnungen der ersten drei Jahre ausbezahlt werden sollen. "Das alleine würde zu einer gewaltigen Qualitätssteigerung führen."

Für das Passivhaus-Image in Österreich sieht Günter Lang keinen Schaden. Denn schließlich sei es ja kein Passivhaus. Und weiter: "Es bestätigt uns aber umso mehr, die Qualität auch einzufordern, damit sie dann auch erreicht wird und nicht nur behauptet wird, dass ein Gebäude gewisse Standards hat. Wir haben tausende Beispiele, die bestens funktionieren."

Im Büro des Wohnbaustadtrats Michael Ludwig werde man sich das Problem genau ansehen, heißt es: "Wir hatten vom Jahr 2012 die Kenntnis, dass der Wert zu hoch ist. Der Bauträger hatte daraufhin zugesichert, dass alles in Ordnung kommen würde." Darüber, dass der Wert nun 2013 sogar höher ausgefallen sei, wusste man bis dato aber noch nichts.

Mit knapp 40 Millionen Euro unterstützte die Stadt Wien das gesamte Projekt Eurogate (Gesamtbaukosten: 103 Millionen Euro). Das Arwag-Gebäude wurde zusätzlich mit etwa 800.000 Euro gefördert, "unter der Voraussetzung, dass das Bauvorhaben in der energetischen Qualität Passivhausstandard (inklusive Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung) hergestellt wird." Das steht im Schreiben zur Förderung der zuständigen MA 50 (Wohnbauförderung).

Im Büro von Ludwig heißt es dazu: "Wenn die Förderbestimmungen nicht erfüllt werden, dann müsste auch die Förderung zurückgezahlt werden. Und zwar die komplette."