Oma Siggi, Rosi, Annelies und Eli sind froh, für ihre Strickware auch Geld zu bekommen. - © Myoma.de
Oma Siggi, Rosi, Annelies und Eli sind froh, für ihre Strickware auch Geld zu bekommen. - © Myoma.de

Wien. "Eine Woche ohne Stricken ist verlorene Zeit", sagt Oma Elke. Die Pensionistin aus Fürth in Bayern strickt für ihr Leben gern. "Jeder sollte stricken lernen, weil es beruhigend ist", lautet ihr Motto. Elke ist eine von 25 fixen Omas, die von Anfang an beim deutschen Start-up "Myoma.de" mit dabei waren. Die Firma, die im Jahr 2011 in Fürth gegründet wurde, zählt mittlerweile rund 70 Omas, einen Opa, sieben Kollektionen und 3000 Kunden. Von der Mütze über den Bären bis zum Polster - am Ende hält der Kunde Omas Strickware in Händen.

Die Idee kam Geschäftsführerin Verena Röthlingshöfer in einem Urlaub, als die 33-Jährige eine Gruppe von Omas kennenlernte, die sich zum Stricken trafen. "Ältere Menschen können sehr viel, und sie sollten nicht alleine sein", sagt Röthlingshöfer. Vor allem die soziale Vernetzung sei ihr ein Anliegen. Aus der Idee wurde rasch ein Unternehmen: "die Lieblingsoma GmbH". Gemeinsam mit ihrem Bruder, Jörg Röthlingshöfer, wagte sie das Experiment und kann heute "sogar davon leben", wie sie erzählt. Ein Drittel des Nettobetrages geht an die Omas, die auch das Material von der Firma bekommen. Im Durchschnitt könne sich jede Oma rund 150 Euro im Monat durch Stricken dazuverdienen. "Je nach Auftragslage", sagt die Geschäftsführerin zur "Wiener Zeitung".

Dass Handarbeit wie Stricken derzeit im Trend liegt, komme der Firma natürlich zugute. Als die Kommunikationswirtin Röthlingshöfer noch Anfang 20 war, sei Stricken noch kein Thema gewesen. Jetzt würden sich auch die ganz Jungen dafür interessieren. "Die Menschen legen wieder viel Wert auf Qualität und kaufen keine Billigprodukte mehr", sagt sie. Tagtäglich sei man ja auch mit Informationen über die Ausbeutung von Arbeitskräften konfrontiert.

Der zweite Trend, welchen die Geschäftsführerin ausmacht, ist das Selbermachen. "Auch immer mehr junge Menschen nehmen sich die Zeit, um Handarbeit bewusst zu erleben." Als späte Gegenbewegung zur Industrialisierung der Gesellschaft sozusagen. "Selber etwas mit den Händen schaffen, ist wieder angesagt."

Derzeit arbeitet die Unternehmerin an vier weiteren Kollektionen, vorwiegend für Kinder und Babys. Die Produkte werden im Team entwickelt. Die Geschäftsführerin, die Mitarbeiter und die Omas treffen sich regelmäßig und entwerfen neue Kollektionen. Ein Prototyp wird gestrickt, wird dieser angenommen, folgt das Fotoshooting, dann landet die Strickware auf der Homepage und damit im virtuellen Verkaufsladen. "Wird ein Produkt bestellt, geben wir den Auftrag an eine Oma weiter", sagt Röthlingshöfer. "Man kann sich die Oma aber nicht aussuchen. Das wäre sonst unfair."