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Wien. Krachmandeln, Türkischer Honig, Kokos-Busserl, Seidenzuckerl, Himbeerstangerl und Kieselsteine. Bonbons, Zuckerl und Pralinen, so weit das Auge reicht. Gut duftende Confiserieprodukte, sorgfältig nebeneinander gereiht in einer idyllischen Atmosphäre wie zu Kaisers Zeiten. Aus den wenigen noch erhaltenen traditionellen Wiener Zuckerlgeschäften scheint die moderne Stress- und Kommerzgesellschaft erfolgreich verbannt worden zu sein.

"Es fängt mit der Nase an. Ein Zuckerlgeschäft muss den Kunden durch den Geruch und durch die Optik beeindrucken. Die Düfte der Süßwaren gehen in das Gemäuer, und das wiederum reflektiert und macht den speziellen guten Geruch des Geschäftslokals aus. Das macht viel aus. Der erste Eindruck ist natürlich die Auslage. Die erfolgreichen Geschäfte in Wien stecken viel Detailarbeit in die Aufbereitung ihrer Vitrinen und investieren auch viel Mühe und Kosten, um diese ansprechend zu gestalten", erklärt Gerald Kontriner, seit 1998 Besitzer der Engel-Ecke am Eck Lange Gasse/Alser Straße.

Das älteste Zuckerlgeschäft Wiens ist in der Neubaugasse. - © Jenis
Das älteste Zuckerlgeschäft Wiens ist in der Neubaugasse. - © Jenis

"Bei uns können die Kunden minutenlang schauen und sich sattsehen und entdecken. Keiner macht ihnen einen Stress", ergänzt er. Die Auswahl ist bei der Breite an verlockenden Produkten auch wirklich nicht immer einfach.

Die Systematik hinter diesen Einzelhandelsgeschäften ist jedoch stets gleich: Köstliche Bonbons und feine Schokolade, handverlesen und stückweise abgewogen, sollen nostalgische Gefühle und Wohlbefinden erzeugen. Was in Supermärkten unmöglich ist, zelebrieren die rund 40 noch erhaltenen Fachgeschäfte. Sie bieten - wie zu Großmutters Zeiten - ihre Süßigkeiten in weißen Papiertütchen an, die individuell befüllt werden. Ganz nach Appetit der Kunden.

Es sei nicht leicht, neben den ganzen Konkurrenten zu überleben. Man brauche frische Ware, eine gute Philosophie und eine gut frequentierte Gegend. "Die Engel-Ecke ist schon eine alte Oma. Sie hat ihren Kundenkreis und erhält sich sehr gut. Die Kunden können sich in Ruhe alles ansehen und bekommen währenddessen eine Kostprobe. Ich habe Gott sei Dank auch ein sehr gutes Team", ergänzt Kontriner, der auch zwei Pischinger-Schokolade-Geschäfte in Wien betreibt.

"Wenn man es gut macht, dann hat man Erfolg"


Während man in Österreich vor dem Zweiten Weltkrieg noch an die 18.000 Confiserien und Zuckerlgeschäfte zählte, davon 1000 allein in Wien, muss man sie heute mit der Lupe suchen.