Kata Klementz (stehend) gründete 2011 den Coworking-Space "Loffice" in der Schottenfeldgasse im 7. Bezirk. - © David Bohmann
Kata Klementz (stehend) gründete 2011 den Coworking-Space "Loffice" in der Schottenfeldgasse im 7. Bezirk. - © David Bohmann

Wien. Noch sind sie in ganz Wien - mehrheitlich im 6. und 7. Bezirk - verteilt. Die jungen Gründer sollen aber schon bald eine eigene Heimat bekommen: einen Start-up-Campus mitten in Wien. Andreas Tschas, Gründer und Geschäftsführer des Pioneers Festivals, führt dazu mit Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner Gespräche. Über die Standorte kann Tschas noch nichts verraten, "momentan sind einige im Gespräch, wichtig ist aber, dass der Campus zentral ist", sagt er zur "Wiener Zeitung". Von anderer Seite ist zu hören, dass das Gelände in Neu Marx im 3. Bezirk, wo noch einige Grundstücke leer stehen, oder der WU-Campus im 2. Bezirk in der engeren Auswahl stehen würden. Vor allem im Vergleich zu den Hotspots Berlin und London will die Stadt mit einem Campus ein Zeichen setzen. "In Berlin gibt es die sogenannte Factory mit 10.000 Quadratmetern", sagt Tschas. "Das ist keine Vision. Wir arbeiten daran", so Brauner.

Während im Hintergrund über einen Campus nachgedacht wird, gibt die Wirtschaftsagentur Wien gemeinsam mit 120 Wiener Unternehmen am 10. Oktober schon mal einen Überblick über Wiens Gründer-Szene. Unter dem Titel "Gründen in Wien" stehen die Türen an 50 Orten in Wien für die Öffentlichkeit offen. Darunter befinden sich etwa Ashoka im 1. Bezirk, Co Space Gumpendorf im 6. Bezirk, Impact Hub im 7. Bezirk, Sektor 5, Mono Verlag und Spengergasse im 5. Bezirk oder Whatchado im 4. Bezirk. Es werden Grätzeltouren, Co-Cooking in Coworking-Spaces oder Speeddating mit Experten angeboten.

Auch Kata Klementz von Loffice in der Schottenfeldgasse im 7. Bezirk ist mit dabei. Gemeinsam mit ihrer Schwester hat die gebürtige Ungarin 2009 einen Coworking Space geschaffen und 2011 nach Wien expandiert. Heute bietet sie in einer ehemaligen Schuhfabrik Arbeits- und Eventräume an. Vor allem Frauen will Klementz helfen, in die Gründer-Szene einzusteigen.

"Frauen ohne Grenzen"


"Die Doppelbelastung spielt eine große Rolle. Es heißt Familie oder Beruf. Wir wollen, dass es Familie und Beruf heißt", so Klementz. So haben die Geschäftsführerinnen das Konzept "Frauen ohne Grenzen" erarbeitet. Künftig wollen sie auch ein "Eltern-Kind-Coworking" anbieten. Dafür soll eine Kindergruppe mit 14 Kindern und zwei Pädagogen eingerichtet werden. Zusätzlich sollen Stillräume mit Vernetzungsmöglichkeiten den Frauen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Noch würde eine notwendige Förderung dafür fehlen. Doch Klementz ist zuversichtlich, eine solche bald zu erhalten.

Die Wirtschaftsagentur Wien hat in den letzten sechs Jahren rund 10.000 Gründer beraten. Laut Geschäftsführer Gerhard Hirczi haben 72 Prozent ihr Gründungsvorhaben auch umgesetzt. "Und 90 Prozent dieser Unternehmen bestehen noch immer", sagt er. In Wien schlummere bei vielen das "Gründungsgen, das geweckt werden will", sagt er. Der Tag der offenen Tür sei eine einzigartige Gelegenheit dazu.

Um auch möglichst viele und gute Start-ups nach Wien zu bekommen, schnürte die Stadt "Welcome Packages". Gezahlt werden die Reisekosten für eine Person eines Start-ups, drei Monate Aufenthalt, die Wohnung, der Workplace und ein Coaching. Die Auswahl erfolgt über das Pioneers Team und wird im Zuge des Festivals (29. und 30. Oktober) vorgestellt. Weiters hat das US-IT-Großunternehmen Cisco das Pioneers Team beauftragt, die sechs besten europäischen Start-ups zu finden. "Cisco geht damit nicht nach London oder Berlin, sondern nach Wien", so Tschas. Die Start-ups erhalten Geld und Unterstützungsleistungen. Cisco nimmt vorerst keine Anteile, sondern behält sich ein Mitfinanzierungsrecht vor.

Wie London oder Berlin ist Wien noch nicht, aber es wird, so der Tenor. Den Status quo fasst Tschas mit einem Vergleich zusammen: "Als wir 2009 die erste Start-up-Versammlung in Wien abhielten, kamen wir auf 40 Teilnehmer. Heute sind es 3000."