Anna H., 81, und Maria H., 79, übergaben selbst gemachten Apfelstrudel als Willkommensgruß an eine irakische Flüchtlingsfamilie in Erdberg. - © Fonds Soziales Wien
Anna H., 81, und Maria H., 79, übergaben selbst gemachten Apfelstrudel als Willkommensgruß an eine irakische Flüchtlingsfamilie in Erdberg. - © Fonds Soziales Wien

Wien. Knapp einen Monat nach Einzug der Flüchtlinge in die beiden Asylquartiere in der Erdbergstraße im 3. Bezirk und in die Althanstraße, in das "UZA3", einem ehemaligen Gebäude der Wirtschaftsuniversität Wien im 9. Bezirk, reißt die Welle der Solidarität in der Wiener Bevölkerung nicht ab. "Wir bekommen täglich viele Anrufe von Menschen, die helfen wollen", sagte Wilhelm Brunner, operativer Leiter des ORS Service GmbH, zur "Wiener Zeitung". Die Reaktionen in der Bevölkerung sind laut Brunner "von Anfang an sehr positiv" gewesen. Vom ersten Tag an habe es Anrufe gegeben, bei denen Freiwillige Spenden angeboten haben.

Strudel-Oma statt Wut-Oma


Herausragend sei jene Aktion gewesen, bei der Seniorinnen aus drei Tageszentren des Fonds Soziales Wien 21 Strudeln als "Willkommensgruß" für die Flüchtlinge gebacken haben. "Die Frage war, was wir konkret tun können. Was könnte den Flüchtlingen das Gefühl geben, bei uns willkommen zu sein", so Monika Hesch, Leiterin des Tageszentrums Simmering.

Über die "Wiener Tafel" wurden 15 Kilogramm Äpfel zur Verfügung gestellt, die anlässlich der Aktion "Rettet die Äpfel" gespendet wurden. Und so wurde in Simmering, in Baumgarten und in der Winarskystraße im 20. Bezirk heftig gebacken. "Die Strudel sind mit Liebe gemacht. Ich hoffe, sie schmecken", sagte die Pensionistin Anna H., 81 Jahre alt. Und Maria H., 79, ergänzte: "Ich helfe immer gerne, wenn jemand etwas braucht." In fast allen Kulturen der Welt sei es Tradition, dass die Gäste mit einer Verpflegung willkommen geheißen werden, sagte Brunner. Es sei eine besonders herzliche Geste. Die Flüchtlinge hätten sich dadurch sehr schnell sehr wohl gefühlt.

Jeden Tag kommen Menschen und bringen Spenden vorbei; Kleidung, Kinderwagen, Schuhe oder Spielsachen. Die Sachen werden im Lobbybereich im Quartier in Erdberg abgestellt. Der 20 Quadratmeter große Raum sei jeden Tag gefüllt, so Brunner. Am Ende des Tages werden die Sachen an die Flüchtlinge aufgeteilt. Festzuhalten sei, so Brunner, dass der Staat die Erstversorgung, und damit auch die Grundausstattung übernimmt. "Es ist nicht so, dass die Flüchtlinge nichts haben", so Brunner, "sie haben eine Erstausstattung, was sie aber nicht haben, ist eine Zweitausstattung." Das gespendete Gewand ist "der zweite Pullover, die zweite Jacke oder das zweite Paar Schuhe". Ein weiterer Aufruf nach Kleidung sei aber derzeit nicht nötig.

Lebensmittelspenden stellen laut Wilhelm Brunner eine besondere Herausforderung für die Asylquartiere dar. "Wir haben keine Kühlmittel", sagte Brunner. Daher sollten keine größeren Mengen an Lebensmitteln mehr gebracht werden, die gekühlt werden müssen. "Wir kriegen sonst ein Hygieneproblem", so Brunner. Nur kleine Mengen, die sofort gegessen werden können, seien gerne willkommen.

Wenn es noch an etwas fehle, dann seien das vor allem Kinderwägen oder Buggys, sagte der Leiter der privaten Service-Firma ORS, die vom Innenministerium mit der Betreuung der Flüchtlinge beauftragt wurde. Davon könne man nie genug haben. "Wenn jemand die Familienplanung schon abgeschlossen hat, dann kann er an uns denken", sagte Brunner. Unter den rund 450 Flüchtlingen sind rund 30 Kinder.

Boku plant Deutschkurse


Auch die Wiener Stadtwerke organisieren derzeit für den unmittelbaren Nachbarn in Erdberg eine Spendenaktion. Sie sammeln in Hinblick auf Weihnachten Kleider für die Flüchtlinge. Ebenfalls aktiv wird demnächst die Universität für Bodenkultur (Boku). Es soll ein Fest in der Mensa organisiert werden. Der Plan ist, dass sowohl Professoren als auch Studenten in einem alten Hörsaal in der Althanstraße Deutschkurse für die Flüchtlinge abhalten sollen.

Ende Jänner 2015 sollten die beiden Quartiere wieder leer stehen. Denn dann läuft der viermonatige Vertrag mit der Gemeinde Wien ab. Derzeit laufe bei vielen ein Zulassungsverfahren, bei dem geprüft wird, ob Österreich überhaupt zuständig ist für die betroffenen Menschen oder nicht. Was im Jänner sein wird, sei aber ungewiss. "Wir können nicht wissen, ob der Flüchtlingsstrom in drei Monaten abreißt oder nicht", so Brunner. "Man wird sehen, wie sich das entwickelt."