In Österreich häufen sich in letzter Zeit rassistische Übergriffe auf muslimische Bürger. Hässliche Szenen spielten sich etwa am Dienstagabend bei der Straßenbahnstation Alaudagasse im zehnten Wiener Gemeindebezirk ab. Eine der betroffenen Frauen hat den Vorfall gefilmt, das Video wurde ins Netz gestellt. Viel ist darauf nicht zu erkennen, hauptsächlich ihre zitternde Stimme und die ignoranten Antworten des Angreifers.

Das Handy-Video zeigt Islam-Hass auf offener Straße und mitten in Wien. - © Haberjournal/YouTube
Das Handy-Video zeigt Islam-Hass auf offener Straße und mitten in Wien. - © Haberjournal/YouTube


Gelächter zwischen Polizei und Angreifer?

Die drei Opfer - Österreicherinnen mit türkischen Wurzeln - wurden von einem Unbekannten beschimpft und körperlich angegriffen, berichtete die Online-Plattform "Haber Journal". Der Mann soll einer der Frauen ins Gesicht geschlagen haben und gerufen haben: "Ihr seid ISIS! Ihr seid Terroristen! Ihr seid von der Taliban!" Die Polizei sei verständigt worden und bereits wenige Minuten später vor Ort erschienen. Während die jungen Frauen unter Schock standen, sollen sich die Polizisten mit dem Angreifer unterhalten haben. Mehr noch: Gemeinsam mit dem Mann sollen sie über die Situation und die Opfer gelacht haben.

Nach Angaben der Frauen hätten die Beamten nach dem Ausweis des Mannes gefragt, den dieser nicht bei sich hatte, wie er erklärte. Auch zur Aufnahme seiner Daten soll es nicht gekommen sein, wie eine "Haber Journal"-Redakteurin von den jungen Frauen erfuhr.

Opfer wollen Anzeige erstatten

Nach den ersten Zweifeln kündigen die Frauen nun an, definitiv Anzeige zu erstatten. Weitere Details möchte "Haber Journal" mit den Frauen bei einem Interview am Mittwochabend herausfinden: "Sie waren sehr verunsichert und ihr Vertrauen gegenüber der Exekutive war erschüttert." Sie hätten die Kennzeichen des Polizeifahrzeugs notiert und möchten auch Beschwerde gegen die involvierten Polizisten einlegen.

Polizei: Körperverletzung liegt nicht vor

Die Pressestelle der Polizei Wien war auf Anfrage der "Wiener Zeitung" erst am Mittwochabend erreichbar: "Das Opfer hat gesagt, es sei nicht verletzt. Da liegt der Hund begraben", sagte Pressesprecher Thomas Keiblinger. Zum Grunddelikt der Körperverletzung sei es - auch wenn sie versucht war - nicht gekommen. "Mir wurde gesagt, dass sie ISIS-Schlampe genannt wurde, aber dagegen gibt es grundsätzlich kein Gesetz." Was vorgefallen sei, falle unter "Beleidigung", hier müsse man eine Privatanzeige auf dem zuständigen Bezirksamt stellen.

Ob die Daten des Angreifers aufgenommen wurden, sei unklar. Kontrollinspektor Keiblinger wolle der Sache nachgehen.

Gespräch mit Polizeibeamten?

Weitere Fragen, die dem Pressesprecher keine klare Antwort entlockten: Wird es Konsequenzen für die Polizeibeamten geben? Wird man überhaupt in einem Gespräch versuchen zu klären, ob die Polizisten die Opfer auslachten und zynisch mit einer Festnahme drohten? "Man muss sich im Klaren sein, dass man es nicht weiß. Die Betroffenen sagen ja, die Beamten werden das wohl bestreiten."