Im Übrigen muss auch die Gegenwart hochgerechnet werden. 2011 gab es in Wien 41 Prozent Katholiken und 12 Prozent Muslime (siehe Grafik). Hochgerechnet muss deswegen werden, weil das letzte konkrete Datenmaterial aus dem Jahr 2001 stammt. In diesem Jahr fand die letzte offizielle Volkszählung mit Religionszugehörigkeitserfassung statt. Danach wurde die Methodik der Volkszählung geändert. Seitdem gibt es keine Fragebögen mehr, sondern es werden Zahlen aus Datenbanken beziehungsweise Register zu Volkszählungen verknüpft – die sogenannte Registerzählung. Daten zur Religion oder zur Umgangssprache werden dabei nicht mehr erhoben.

Das bestätigt man auch in der Statistik Austria. Lediglich bei einem Modul der Arbeitskräfteerhebung 2014 sei die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit beziehungsweise ohne Migrationshintergrund befragt worden. Aber hier habe die Frage nur gelautet: "Ist Ihre Herkunft, Religion oder Ihr sozialer Hintergrund ein Hindernis? Ja oder nein."

Dass die vorliegende Hochrechnungen über Religionen deswegen nicht aussagekräftig sei, will man bei der Statistik Austria aber nicht behaupten "Wir präsentieren ja auch eine Bevölkerungsprognose bis ins Jahr 2070. Es kommt natürlich immer auf die Qualität einer solchen Hochrechnung an", heißt es.

Und die sei bei Wirel auf alle Fälle gegeben, versichert Ramon Bauer. Im gesamten Forschungsprojekt sei die Bevölkerung seit 2001 jedes einzelne Jahr rekonstruiert worden – mit qualitativen Studien und Detail-Interviews. "Als Triebkräfte der religiösen Veränderung haben wir in der Vergangenheit vor allem Säkularisierung und Migration identifiziert. Und für die Zukunft wird das Geburten- und Partnerschaftsverhalten ausschlaggebend sein", sagt der Wissenschafter.

Es wurde weiters erhoben, warum so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Gemessen wurden auch Geburtenhäufigkeiten der verschiedenen Gruppen und die Migration in der Vergangenheit. "Als wir genug Daten hatten, konnten wir dann Annahmen treffen. Darum geht es bei solchen Bevölkerungsprojektionen – das ist keine Vorausschau durch die Glaskugel, sondern ein Trendszenario, das wir aufzeigen", sagt Bauer.

Katholiken am Stadtrand

Es seien auch bestimmte Annahmen mit der Statistik Austria geteilt worden – so habe man etwa deren Fertilitätsziffern herangezogen, diese aber auf unterschiedliche Ethnien angewandt. Trotzdem komme man nahezu auf dieselbe Gesamtbevölkerungsanzahl im Jahr 2046 wie die Statistik Austria, wird betont.

Neben Trends und Zahlen hat sich Wirel auch die geografische Verteilung der einzelnen Glaubensgemeinschaften und Ethnien angesehen. Demnach lebt der Großteil der Wiener in gemischten Grätzeln, Ghettos gebe es nicht. Grundsätzlich gelte: Je innerstädtischer und dichter besiedelt, desto diverser. Nur an den wenig besiedelten Stadträndern gebe es noch einen hohen Anteil an Katholiken.