Wien. Im Jahr 2025 wird der letzte Patient das Otto-Wagner-Areal verlassen haben. Dieses wird nun endgültig umgebaut. Aufgrund des neuen Spitalskonzeptes der Stadt Wien - wo Spitäler geschlossen und neue entstehen werden - wird das Otto-Wagner-Spital als eines von elf Wiener Gemeindespitälern geschlossen, und die jeweiligen Abteilungen werden sukzessive abgesiedelt.

Im Vorfeld wurde heftigst protestiert. Zahlreiche Petitionen gegen den Umbau wurden eingereicht. Für viele sollte das gesamte Areal im 14. Bezirk, welches im Jahr 1907 von Otto Wagner als sozial gerechte medizinische Versorgung von "Geisteskranken" geplant wurde, unter Weltkulturerbe gestellt werden. Die Petitionen dazu werden derzeit noch im Rathaus behandelt.

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Die Stadt Wien ist einen anderen Weg gegangen. Unter Einbeziehung der Bürger wurden Mediationen durchgeführt, ein Experten-Gremium eingesetzt und Vorschläge für ein Nutzungskonzept erarbeitet. Dabei wurde festgehalten, dass das Areal im Besitz der Stadt Wien bleibt, die rund 50 Pavillons saniert werden, die Grünflächen erhalten bleiben und lediglich der Ostteil mit zehn maximal vierstöckigen Wohnbauten verbaut wird. "Das historische Ensemble bleibt denkmalgeschützt, das Areal bleibt erhalten und es bleibt öffentlich zugänglich und belebt", sagte Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou am Freitag. "Nicht nur die grünen Flächen zwischen den Pavillons, auch die Grünstreifen bleiben erhalten", betonte Sozialstadträtin Sonja Wehsely. Die Grünflächen werden von Bauland in Grünland umgewidmet. Auch die zentrale Sichtachse Pathologie und Kirche wird laut Stadt frei gehalten. Das gesamte Erholungsgebiet Steinhof-Gründe bleibt erhalten.

Was genau in die alten Pavillons hineinkommt, wurde noch nicht konkretisiert. Von privaten medizinischen Einrichtungen bis zu Privatuniversitäten sei bereits Interesse bekundet worden. Einen Mix aus Wissenschaft, Bildung, sozialen Zwecken, Kunst und Kultur, Gesundheit, Wohnen, Erholungs- und Sportangeboten stelle man sich vor. Die Stadt will aber für alle Vorschläge "offen bleiben". "Tag und Nacht soll dort auch in Zukunft Leben stattfinden, deshalb sind die Wohnungen so wichtig", sagte Vassilakou zur "Wiener Zeitung".

Keine teuren Eigentumswohnungen

In jedem Fall werden keine teuren Eigentumswohnungen errichtet werden, sondern Mietwohnungen. Die Gesiba wird zehn neue Wohngebäude im Rahmen des sozialen Wohnbaus bauen. "Gerade hier tragen wir eine besonders hohe gesellschaftliche und soziale Verantwortung", sagte Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner. Die Wohnhäuser sollen sich in das Gesamtbild einfügen und werden wie Pavillons aussehen. Insgesamt entstehen 140 neue Mietwohnungen. Weitere 60 bis 80 Wohnungen sollen durch Umnutzung in bestehenden umliegenden Gebäuden untergebracht werden. Ein Viertel der Wohnungen wird für betreutes Wohnen reserviert, weitere Einheiten sind als Wohngemeinschaften für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen geplant. Einen Neubau gibt es dort schon. Die stationäre orthopädische Rehaklinik hat im Jahr 2013 eröffnet. Diese soll nun adaptiert und durch eine neurologische Rehabilitation erweitert werden. Zusätzliche 70 Einzelzimmer werden mittels Zubaus bis Anfang 2017 in Betrieb genommen.