600 Karten wurden bereits individuell gestaltet zurückgeschickt. Sie sind bald auch online zu sehen, sagt die Initiatorin des Gedenkprojekts, Anna Wexberg-Kubesch. - © Jenis
600 Karten wurden bereits individuell gestaltet zurückgeschickt. Sie sind bald auch online zu sehen, sagt die Initiatorin des Gedenkprojekts, Anna Wexberg-Kubesch. - © Jenis
Wien. Einige hundert sind es schon, doch am Ende sollen es 15.000 werden: 15.000 Karten für die rund 15.000 Kinder, die von den Nationalsozialisten ab 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden und von denen es nach 1945 kein Lebenszeichen mehr gibt. Die meisten wurden schließlich in ein Vernichtungslager verbracht und dort ermordet. Einige starben bereits in Theresienstadt selbst, etwa wegen Unterernährung oder Krankheit. Genau sind die kurzen Lebenswege der Kinder allerdings nicht mehr zu rekonstruieren, sagt die Wiener Historikerin und Psychotherapeutin Anna Wexberg-Kubesch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Oft wurde ein Kind einfach mit in einen Transport noch dazugesteckt, ohne in einer Liste eingetragen zu sein." Und in den Vernichtungsstätten der Nazis wurden viele Kinder vor dem Töten gar nicht mehr registriert. Oder die Mutter versuchte, ihrem Kind dieses Schicksal zu ersparen, indem sie dafür sorgte, dass es noch in Theresienstadt selbst starb. "Ich weiß gar nicht, wie man das nennen soll", meint Wexberg-Kubesch.

Es ist ein emotionales Thema, und die Psychotherapeutin suchte einen adäquaten Weg, um sich diesem anzunähern. Ein Buch darüber zu schreiben, wie sie es zum Thema "Kindertransporte" bereits gemacht hat, schien ihr hier nicht passend. Ihr ging es nicht nur um Information - sondern um eine aktive Auseinandersetzung möglichst vieler Menschen mit dem Schicksal dieser Mädchen und Buben.

"Mit einem Stempel wurde über ein Schicksal entschieden"


Nach und nach entwickelte sie die Idee, für diese rund 15.000 Kinder 15.000 Karten zu gestalten. Sie einzeln in alle Welt zu verschicken, erschien ihr aber unpassend. Die Karten sollten am Ende zusammenbleiben. Ihre letzte Ruhestätte sollen sie nun in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem finden, geschlichtet in 100 Schachteln mit jeweils 150 Stück und diese wiederum gelagert in zwei großen roten Metallboxen.

Bis zu dieser Übergabe ist es aber noch ein weiter Weg. Nun gilt es, Menschen zu motivieren, Karten zu gestalten. Für diese hat Wexberg-Kubesch bräunlichen Karton gewählt, der an die Akten der NS-Zeit erinnert. Auf jede Karte wird entweder der Begriff "Never" oder "Forget" oder "Why?" von Hand gestempelt. "Mit einem Stempel wurde damals darüber entschieden, was mit einem Menschen passierte." Seitlich findet sich auf jeder Karte ein Loch: Sind einmal alle 15.000 Karten fertig gestaltet, sollen sie an einer Schnur aufgefädelt und im öffentlichen Raum aufgehängt vor Augen führen, wie viele Kinder zu Tode kamen. Als mögliche Orte schweben der Psychotherapeutin das Museumsquartier oder der Stephansplatz vor.