Bald auch an der Wand: arabische Kalligrafie. - © Fotolia
Bald auch an der Wand: arabische Kalligrafie. - © Fotolia

Wien. Schwungvolle Linien in knalligen Farben, die ineinandergreifen, knallige Farben formen auf der Leinwand das arabische Wort für Wien. Der Stil nennt sich Calligraffiti, eine Kombination aus Kalligrafie und Graffiti. Es ist eine neue Kunstrichtung, die sich vor allem unter Jugendlichen großer Beliebtheit erfreut. Künstler wie der gebürtige Tunesier "El Seed" aus Frankreich und Tunesien oder Niels Shoe Meulman aus den Niederlanden schaffen mit ihren Kreationen in den vergangenen Jahren in Eigenregie eine neue Streetart, welche die arabische Schönschreibschrift mit Graffitielementen kombiniert.

Die neue Streetart findet immer mehr Anhänger, auch in Wien. Die drei Jugendlichen Samira, Yunus und Lenina verbindet die Liebe zur arabischen Kalligrafie auf eine besondere Art und Weise. Während Samira Arabisch als Muttersprache hat und deswegen die Sprache in Wort und Schrift beherrscht, mussten Yunus und Lenina sie erlernen, um die für kunstvollen Graffitigebilde kreieren zu können.


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"Die arabische Kalligrafie an sich ist schon komplex genug, versucht man noch zusätzlich diese im Graffiti-Style zu zeichnen, dann verliert man schnell den Mut und hat keine Lust mehr", erklärt Samira. Die 23-Jährige weiß, wovon sie spricht. Denn jeder einzelne arabische Buchstabe hat bis zu vier verschiedene Schreibformen. "Ein S, das am Anfang des Wortes steht, sieht ganz anders aus als beispielsweise am Ende." Trotzdem ist der Lehramtsstudentin das Umdenken etwas schwergefallen. Man muss sich eine lange Zeit intensiv mit der arabischen Schrift auseinandersetzen, um ein Gespür für die Formen zu bekommen. Nur so können Auge und Hand perfekt miteinander harmonieren, um die gewagten Calligraffitis zu produzieren.

Dem 17-jährigen Yunus ist bewusst, auf was er sich da eingelassen hat. Der Schüler besucht schon seit einem Jahr einen Arabischkurs, in der Hoffnung, Arabisch zu sprechen, lesen und zu verstehen. "Ein sehr wichtiger Anreiz für mich waren die kolossalen Wandbemalungen in Frankreich oder Tunesien von dem Künstler El Seed", sagt der gebürtige Hamburger. Der kunstbegeisterte Schüler beschäftigt sich schon seit seinem zwölften Lebensjahr mit Graffiti. "Anfangs habe ich noch in meinen Büchern und Heften rumgeschmiert, erst später habe ich mir einen Block besorgt, um meine Fortschritte zu dokumentieren", sagt Yunus. Der Deutsche ist froh, dass er wenigstens eine kleine Grundbasis hat, auf die er aufbauen kann. "Dadurch, dass ich über die Jahre ein Gespür für die Schriftkonstellationen entwickelt habe, fällt mir das Schreiben der arabischen Buchstaben nicht so schwer wie manch einem anderen. Ich betrachte das Ganze eher als Zeichnen und nicht Schreiben", verrät er.