- © Wienbibliothek im Rathaus, Konvolut Eisrevue
© Wienbibliothek im Rathaus, Konvolut Eisrevue

Wien. Während das importierte "Holiday on Ice", das am Mittwochabend Premiere feierte, seit 1974 fixer Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Wiener Stadthalle ist, wissen nicht mehr viele, dass es in Wien jahrzehntelang eine hausgemachte Eisrevue gab. Um letztere Attraktion nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen, haben Isabella Lechner und Bernhard Hachleitner im Auftrag der Wienbibliothek im Rathaus das Buch "Traumfabrik auf dem Eis - Von der Eisrevue zu Holiday on Ice" herausgegeben.

Die Wiener Eisrevue war die große "Traumfabrik" der Nachkriegszeit. Die sogenannten "Eis- Operetten", eine besondere Mischung aus Sport, Kunst, Erotik und Humor, avancierten zum Exportschlager und erreichten europaweit ein Millionenpublikum.

Opulente Inszenierungen und viele Stars


In Zeiten, als es noch keinen Fernseher und keine sozialen Medien gab, hatten kulturelle Nachmittags- und Abendveranstaltungen einen prestigereichen Stellenwert in der Wiener Gesellschaft. Reich illustriert präsentiert dieser Bildband die opulenten Inszenierungen und porträtiert Stars wie Eva Pawlik, Emmy Puzinger, Ingrid Wendl oder Emmerich Danzer.

Mit Kostümbildnern wie Gerdago hatte die Wiener Eisrevue ihren größten Wurf in Sachen Ausstattung gelandet. Sie, die auch für die "Sissi"-Trilogie die Kostüme entwarf, war von 1949 bis 1969 für die ausgefallenen Kreationen auf dem Eis verantwortlich.

Der Hype um die Kunst auf dem Eis lässt in Vintage-Sehnsucht schwelgen, lenkt den Blick aber auch hinter die Kulissen: auf das ökonomische Funktionieren und auf die populärkulturellen und politischen Funktionen der Attraktion. Der chronologische Bogen reicht dabei über fast drei Jahrzehnte bis zu "Holiday on Ice", in der die Wiener Eisrevue schließlich aufgegangen ist.

"Die Wiener Eisrevue zählte jahrzehntelang zu den beliebtesten Kulturexporten, die als österreichische ‚Botschafter‘ nach dem Zweiten Weltkrieg dazu beitrugen, den angeschlagenen guten Ruf Österreichs in der Welt wiederherzustellen", sagt Herausgeberin Isabella Lechner zur "Wien er Zeitung". "Was sie so besonders machte, war die perfekte Kombination aus Leistungssport, Kunst und Wiener Charme - für viele Wienerinnen und Wiener war der Besuch der Premiere ,ihrer‘ Eisrevue am Vorweihnachtstag jeden Jahres ein Pflichttermin."

"An der Geschichte der Wiener Eisrevue lassen sich auch viele Veränderungen des internationalen Showgeschäfts ablesen", sagt der zweite Herausgeber, Bernhard Hachleitner. Er ist auch der Kurator der derzeit laufenden Ausstellung "Traumfabrik auf dem Eis" in der Wiener Stadthalle.