Wien. (sand) Der Gegner ist eindeutig. Die Mistreiter sind es nicht. Und nur, weil man auf derselben Demonstration gegen einen von der FPÖ veranstalteten Burschenschafterball mitmarschiert, bedeutet das nicht uneingeschränkte Solidarität. Zumindest nicht bei allen Fraktionen der Grünen. Während sich die grüne Studentenorganisation Gras am Mittwoch empört über das Verbot der NOWKR-Demos zeigte und sich mit "allen antifaschistischen Protesten" gegen den Akademikerball solidarisierte, erklärte der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz auf seiner Facebook-Seite Folgendes:

"Liebe NOWKR-Herrschaften! Haltet uns doch nicht für dumm. Das Verbot eurer Demo ist ebenso euer Ziel wie der Krawall. Es geht nicht um Antifaschismus, es geht euch nur um euch selbst. Ihr wollt ein paar Stunden Stadtkrieg spielen und euch wichtig machen. Dass ihr damit nur die FPÖ wichtig macht, ist euch egal. Ihr könnt euch sicher sein: Wir gehen euch nicht in die Soli-Falle. Eure politische Dummheit ist kein Freibrief für die Polizei. Aber letzten Endes tragt ihr die Verantwortung, auch für den künftigen Umgang mit eurem wertvollsten Spielzeug: dem Demonstrationsrecht. Vielleicht denken ein paar von euch noch einmal nach. Das würde mich freuen." Am Mittwoch hatte er bereits an die Organisatoren appelliert, sich von der Gewalt zu distanzieren. Auf dieser Basis sollte dann wiederum die Polizei ihr Verbot, gegen die zwei NOWKR-Demos rückgängig machen. "Ziel muss es bleiben, weder gewalttätige Proteste zuzulassen, noch Demonstranten in die Illegalität abzudrängen", so Pilz.

Rund um den Ball hatte es bereits im Vorjahr parteiinterne Unstimmigkeiten gegeben. Bereits 2014 sorgte die grüne Parteichefin Eva Glawischnig für Wirbel, als sie nach den Ausschreitungen auf dem Akademikerball die Jungen Grünen nicht nur tadelte, sondern gar mit Rausschmiss bedrohte. Die Jungen Grünen hatten damals die Webseite www.nowkr.at eingerichtet, auf der zu den Demos folgender Slogan aufgetaucht war: "Unseren Hass, den könnt ihr haben." Sie hätten die Homepage zwar online gestellt, aber keinen Einfluss auf die dort publizierten Inhalte, verteidigten sich die Junggrünen. Für Glawischnig reichte das Argument nicht. Die Jungen Grünen müssten sich klar von gewaltbereiten Gruppen abgrenzen und deshalb Kontrolle über ihre Webauftritte behalten. Sonst drohte ihnen die Parteimutter mit Rauswurf. Doch der Sturm hat sich binnen weniger Wochen gelegt.

"Friedlich und gewaltfrei"

Dieses Jahr rät Glawischnig zur Teilnahme an "den genehmigten Protesten". In einer Aussendung schlug sie die Demonstration von "Jetzt Zeichen setzen" am Heldenplatz vor. Gewaltfreie und friedliche Kundgebungen seien die einzig angemessene Protestform gegen den Burschenschafterball. "Mit dieser Veranstaltung werden die Grünen gemeinsam mit Holocaust-Überlebenden ein friedliches, gewaltfreies Zeichen gegen den Burschenschafterball in der Hofburg am Freitag setzen", so Glawischnig. Die Grünen-Chefin forderte weiters dazu auf, dass alle Proteste gegen den WKR-Ball friedlich und gewaltfrei ablaufen sollen.