Wien. "Nichts sag’ ich Ihnen, Sie verbreiten nur Lügen!", sagt ein Mann und zieht seine Frau und seinen Sohn weg. Die Presse mag hier niemand: Einige Hooligans attackieren einen Fotografen, eine Journalistin wird bedroht, als sie twittern möchte. "Ich bin kein Rassist, meine Frau ist Rumänin, aber was da mit uns passiert, ist arg", sagt der Mann schließlich und kehrt der Journalistin endgültig den Rücken. Langsam füllt sich am Montagabend der Platz auf der Freyung in der Inneren Stadt. Ein älterer Herr, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt empört: "Das G’sindl gehört an die Grenze und ab nach Hause. Wir haben im Ausland mehr Verbrecher, als wir Einwohner in Österreich haben." Und legt nach: "Ich bin kein Rassist, aber ihr schreibt ja sowieso, was ihr wollt."

Laut Wiener Polizei konnte Pegida Wien bei ihrer Österreich-Premiere knapp 300 Demonstranten mobilisieren, um gegen die "fortschreitende Islamisierung Europas" zu demonstrieren. Auf der anderen Seite, auf dem Stephansplatz, 5000 Gegendemonstranten. Ihre Buhrufe sind bis zur Freyung zu hören. Die Gegendemonstration endete um 19 Uhr auf dem Stephansplatz.

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Nationalismus ist international

Noch bevor sich der Platz gefüllt hat, halten zwei vermummte junge Männer in schwarzem Hoodie und Jogginghose eine deutsche Reichsfahne in die Höhe. Einer von ihnen hebt drei Finger zum Gruß. "Wir haben diese Hetze selbst erlebt im Balkankrieg. Ich bin ein Nationalist und ich kämpfe für Österreich, gegen den Islam", sagt er. Er stammt aus Serbien, wie er sagt. Sein Freund ist Österreicher und beide mögen keine Moslems. Diese seien "nicht fähig, sich zu integrieren", und "eine Gefahr für Österreich".

Die Pegida-Anhänger sind ein Sammelsurium: An vorderster Front steht eine Gruppe junger Männer mit Bierdosen, Hoodies und Glatzen, vermutlich Hooligans. Ein paar von ihnen tragen Schals oder Anstecker von Fußballvereinen. Zwei ältere Damen protestieren mit einem Transparent gegen Tierquälerei und religiöse Schächtung. Eine kleine Gruppe skandiert gegen Abtreibung. Sogar zwei Vertreter von Pegida-Bulgarien schwingen kleine Fähnchen. Unter den Pegida-Anhängern hat sich auch der frühere FPÖ-Nationalratspräsident Martin Graf gemischt. Und immer wieder beteuern alle, sie seien "eigentlich keine Rassisten". Immer wieder ragt auch eine rechte Hand aus der Menge, immer eine andere. Journalisten berichten von Hitler-Grüßen, die sie in der Menge gehört haben wollen. Jemand ruf laut "za dom spremni", ein kroatischer, rechtsradikaler Gruß.