Wien. (sand) Der Wiener mag seinen praktischen Arzt. Trotzdem geht er viel zu oft in eine Spitals- ambulanz, wenn ihn etwas schmerzt. Vor allem dann, wenn sein Hausarzt keine Ordinationszeiten hat, und das ist oft in der Früh und am Abend, also dann, wenn der Wiener nicht arbeiten muss.

Nun soll den gestressten Wienern geholfen werden. Statt in teure Spitalsambulanzen zu gehen, sollen Patienten in Wien künftig Primärversorgungszentren benutzen. Das gab Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Montag im Ö1-Morgenjournal bekannt. So sollen ab Jahresmitte zwei Pilotprojekte an den Start gehen: Ein Erstversorgungszentrum befindet sich nahe des Donauspitals, das "Primary Health Care SMZ-Ost", das zweite in Mariahilf, das "Primary Health Care Medizin Mariahilf".

Das Zentrum in der Donaustadt hat vor allem die Aufgabe, die Erstambulanz des SMZ Osts zu entlasten. "Die Organisation wird vor allem darauf ausgerichtet sein, dass Ambulanzpatienten, die ins Donauspital fahren, darauf hingewiesen werden, dass sie gegenüber im Ärztezentrum behandelt werden können und geringere Wartezeiten haben", erklärt Wehsely im Interview.

Fehlendes Bundesgesetz

In diesem Erstversorgungszentrum kann man auch die E-Card problemlos benutzen, ohne dass sie im selben Quartal beim Hausarzt, bei dem man im Normalfall in Betreuung ist, gesperrt wird.

Außerdem soll das Zentrum 50 Stunden die Woche, mindestens 10 Stunden an Werktagen geöffnet sein. Der erste Entwurf sieht vor, die Öffnungszeiten von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr am Abend anzubieten.

Derzeit läuft die Ausschreibung für drei Allgemeinmediziner, die zusammen mit Krankenpflegern in einer Art Gruppenpraxis nahe des Donauspitals arbeiten sollen. Neben klassischer Primärversorgung ist dort auch eine enge Zusammenarbeit mit den Ambulanzen des Sozialmedizinischen Zentrums Ost - Donauspital geplant. Unter anderem will man sich verstärkt um Diabetes-Patienten kümmern. Grundsätzlich liegt der Fokus der Pilotzentren auf chronisch kranken, multimorbiden bzw. geriatrischen Patienten.

Der zweite Standort ist für Mariahilf geplant, einem laut Wehsely "dicht besiedelten Gebiet, wo kein Krankenhaus in der Nähe ist". Hier sollen etwa auch Physiotherapeuten und Sozialarbeiter in das Zentrum, das als Gruppenpraxis bereits besteht, eingebunden werden.

Im Laufe des Jahres sind zweit weitere Zentren geplant, ein Zentrum in Rudolfsheim-Fünfhaus, wo es kein Krankenhaus mehr gibt, und eines in Floridsdorf in unmittelbarer Nähe des Krankenhaus Nord.

Kein Allheilmittel

Die Kosten für die Pilotprojekte teilen sich Gebietskrankenkasse und Stadt Wien. Beide Pilotprojekte sollen über fünf Jahre begleitend evaluiert werden, um Erfahrungswerte für künftige Zentren zu sammeln.

Die neuen Erstversorgungszentren entsprechen der Idee nach der geplanten Gesundheitsreform, die derzeit noch ausgearbeitet wird. Bereits im Juni 2014 hat die Bundes-Zielsteuerungskommission die allgemeinen Prinzipien des Primärversorgungskonzeptes für alle Bundesländer festgelegt. Ein Bundesgesetz dafür gibt es hingegen noch nicht. Für die künftigen Erstversorgungszentren in Wien stelle das kein Problem dar, wie es aus dem Büro der Gesundheitsstadträtin heißt, da es sich um Pilotprojekte handelt, die auf gemeinsamen Entschluss von Ärztekammer, Stadt Wien und Gebietskrankenkasse konzipiert wurden.

"Es ist nicht das Allheilmittel", sagt Johannes Steinhart von der Ärztekammer Wien zur "Wiener Zeitung" über die Pilotprojekte. "Das sind Lösungsversuche, wie man ein System neuen Herausforderungen anpasst. Die Schlüsselstelle liegt aber nach wie vor beim Hausarzt. Das ist die Basis. Dann kann man für spezifische Sachen Zentren entwickeln."