Wien. Es ist 16 Uhr im Restaurant Etap in der Neulerchenfelderstraße in Ottakring. Die ersten Gäste der geschlossenen Gesellschaft begrüßen Mehmet Kocak, den Besitzer des Lokals, und seinen Freund Ali Gedik. "Einfach nach hinten gehen", sagt Kocak mit einer Handbewegung. Die Gäste sind Asylwerber. Im Etap bekommen bis zu 100 Flüchtlinge jeden Montag ein kostenloses Abendessen und Getränke.

Nachdem sie ihre Jacken abgelegt haben, stellen sie sich am Buffet an. Kein Drängeln, kein Stress. Es herrscht eine ruhige Stimmung. Hier und da ein leises Gespräch, ein Lächeln. Die Asylwerber freuen sich über die Einladung von Mehmet Kocak und sie freuen sich auf ein gutes Essen. Die Auswahl ist groß. Neben faschierten Laibchen vom Lamm, gefüllten Paprika, Nudelgerichten, Couscous, Auberginen und Hühnerbrust, gibt es auch verschiedene Salate und Saucen. "Ich bereite an die 40 Gerichte vor", sagt der Gastgeber.

Mit vollen Tellern gehen die Männer und Frauen in den hinteren Bereich des Restaurants. Ein Mitarbeiter öffnet jedem die Tür zu dem abgetrennten Speiseraum. Von der Decke strahlt farbiges Licht. Die Tische sind mit weißen Tischdecken überzogen. Darauf sind Gläser und Wasserkrüge bereitgestellt. Sie nehmen Platz und der Raum füllt sich. Kocak dreht die Musikanlage auf. Es ist ein liebevoller Umgang miteinander. Die Asylwerber reichen sich gegenseitig die Wasserkrüge und schenken sich ein.

"Haben Sie alles? Ist alles in Ordnung?", fragt der Gastgeber in die Runde von acht Asylwerbern. Sie nicken und lächeln ihn an. Sie sind sichtlich dankbar. Der Gastgeber unterhält sich eine Weile mit ihnen. An einem anderen Tisch sitzt eine Familie zusammen. Der Vater ist mit seinen vier Söhnen und seiner Tochter aus Syrien geflohen. "Das Essen schmeckt sehr gut. Ich würde am liebsten jeden Tag hierher kommen", sagt die Tochter der Familie. Am Nebentisch sitzen drei Frauen mit kleinen Kindern. Einen Tisch weiter sitzen zwei Männer aus Ungarn, die sich normalerweise keine warme Mahlzeit leisten könnten.

Mit "Asyl in Not" und dem "Ute Bock Verein"

"Ich wünsche mir mehr Solidarität und Mitgefühl in der Gesellschaft. Mein Ziel ist es, diese Menschen hier aufzunehmen und nicht auszuschließen. Es soll ein Dialog stattfinden und sie haben die Möglichkeit, sich zu begegnen", sagt Kocak. Er bezahlt jeden Montag das Essen für 100 Asylwerber und stellt Getränke und Räumlichkeiten zur Verfügung. Sein Freund Ali Gedik hilft ihm dabei, alles zu organisieren. "In Zukunft ist geplant, dass sich die Leute online auf unserer Homepage anmelden, damit wir wissen, wann unser Pensum von 100 Gästen erreicht ist", so Gedik.

Die Gäste sind mittlerweile beim Dessert. Im ganzen Raum herrscht ausgelassene Stimmung. Sie unterhalten sich und immer wieder ist ein Lachen zu hören. Ein Kellner tauscht leere Wasserkrüge gegen volle aus. Viele Kinder holen sich etwas Süßes. Die Asylwerber bleiben auch nach dem Essen noch eine Weile sitzen und genießen die Atmosphäre und die Gespräche. Beim Hinausgehen bleiben sie bei Kocak stehen und bedanken sich mehrmals für die Gastfreundschaft.

Kocak hat sich mit der Initiative "Asyl in Not" zusammengeschlossen, die die Asylwerber von dem Angebot informiert. "Es werden auch jede Woche mehr Besucher, am Anfang waren es ungefähr dreißig Gäste, in der zweiten Woche bereits fünfzig und heute war es fast voll", sagt Gedik. Die Menschen würden sich auch freuen, wenn sie einmal rauskommen aus ihrem Trott, meint er.

Auch der "Ute Bock Verein" unterstützt das Engagement von Kocak. Ute Bock, die sich selbst seit Jahren für Asylwerber einsetzt, hat vergangenen Montag an dem Essen teilgenommen. "Die Situation der Asylwerber hat sich nicht verbessert, aber wenn jemand einer Familie mit drei Kindern etwas zu Essen gibt, dann kann das nur gut sein", sagt die 72-Jährige. Das Projekt von Kocak sei eine sehr gute Sache, so Bock. "Auch andere Lokalbesitzer haben sich schon gemeldet und gefragt, wie sie helfen können", erzählt Gedik.

Der Gastgeber würde sich wünschen, dass auch andere Betreiber bei diesem Projekt mitmachen würden. "Es wäre natürlich schön, wenn viele Menschen mitmachen und sich engagieren, damit es ein besseres Miteinander gibt", sagt Kocak.