Kaffee und Kipferl


Stolz zeigt er auf ein gemaltes Bild des alten Kaufhauses und stimmt das von seinem Vater selbst komponierte Lied "An der Alten Donau, drunt’ in Kaisermühlen" an. Bastel setzt Kaffee auf und reicht Kipferl dazu.

Nach dem Tod seines Vaters fand Bastel unzählige Fotografien, auf denen Karl das alte Kaisermühlen festgehalten hatte. Zuerst wollte er sie wegwerfen, sagt er. Dann entschied er sich doch, sie aufzuheben. Heute veranstaltet er in unregelmäßigen Abständen Lichtbildvorträge über "Kaisermühlen um die Jahrhundertwende". Die Menschen kommen gerne ins Vorstadtgasthaus, lauschen Bastels Erzählungen, erkennen den einen oder anderen Ort auf den alten Aufnahmen wieder und stellen neugierige Fragen.

Dieses Bild des Grätzels am Stadtrand unterscheidet sich sehr von jenem, das der "Kaisermühlen Blues" und die "Alltagsgeschichten" zeichneten. Es ist ein unaufgeregter Blick auf ein Gebiet, das sich in den vergangenen 100 Jahren von der "Hungerinsel" zum beliebten Wohnort entwickelt und gleichzeitig seinen Charme bewahrt hat. Eines, in dem sich heute kaum jemand vorstellen kann, dass sich im Kirchenpark kurzfristig ein Friedhof befunden hatte. Auch solche geschichtlichen Details erzählt Bastel gerne. Und noch einem Hobby frönt er: An einer Feuermauer seines Hinterhofes hat er unter anderem Haltestellenschilder von Straßenbahnstationen befestigt, außerdem die alte Kaisermühlner Kirchenuhr, die - inspiriert durch das gleichnamige Lied von Udo Jürgens - stets fünf Minuten vor zwölf anzeigt. Die meisten Sammlerstücke haben natürlich mit Kaisermühlen zu tun.

Absprung


Vom einstigen Kaufhaus Bastel am Schüttauplatz zeugt heute nichts mehr. Als der damals Jüngste den Familienbetrieb übernahm, liefen die Geschäfte bereits schleppend. Die meisten Bewohner waren mobil, der Bedarf an Dingen des täglichen Lebens direkt vor Ort war immer weniger gegeben. Gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau baute Bastel das Geschäft ab 1966 sukzessive zu einem Spezialgeschäft für Heimtextilien und Bodenbeläge um. Als auch das nicht mehr half, wurde ihm eines Tages bewusst, dass er eine Entscheidung zu treffen hatte: Das Ehepaar löste das Geschäft für immer auf. "Eigentlich hätte das mein Vater schon vor Jahren machen müssen, aber ich habe dann den Absprung geschafft", sagt er.

Solange es möglich ist, wird Bastel in seinem Wohnhaus leben. Danach wird es wahrscheinlich unbewohnt bleiben. Dass damit ein Stück Kaisermühlner Geschichte brachliegen und irgendwann verschwinden wird, ist ihm bewusst.