Jan Mokre, Leiter des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek, zählt weltweit zu den Kapazitäten der Globologie. - © Foto: Johann Werfring
Jan Mokre, Leiter des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek, zählt weltweit zu den Kapazitäten der Globologie. - © Foto: Johann Werfring

Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek ist eine einzigartige Institution. Neben Erd-, Himmels-, Mond- und Planetengloben beinhaltet die rund 600 Objekte umfassende Sammlung allerlei globenverwandte Instrumente, Armillarsphären (Modelle unserer Orientierungssysteme der Himmelssphäre), Planetarien (Modelle unseres Sonnensystems) und Tellurien (Instrumente zur Veranschaulichung der Bewegungen der Erde um die Sonne und des Mondes um die Erde). In jüngerer Zeit gewinnen in der Sammlung auch digitale Globen zunehmend an Relevanz.

Bereits in den 1930er Jahren gab es in Wien Ideen zur Gründung eines Globenmuseums. Nachdem ein solches von staatlicher Seite zunächst nicht ins Leben gerufen wurde, gründete der Privatforscher Dipl. Ing. Robert Haardt (1884 bis 1962) gegen Ende der 1940er Jahre in seiner Wiener Privatwohnung das weltweit erste Globusmuseum. 1953 ging Haardts Traum mit der Gründung des Globenmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek doch noch in Erfüllung.

"Das Globenmuseum verfügt heute über eine sehr lebendige Sammlung", betont dessen Leiter Jan Mokre. Immer wieder werden auf Auktionen und diversen Kunstmärkten interessante Objekte ausfindig gemacht und dem Sammlungsfundus einverleibt. Vor einigen Jahren hat Jan Mokre im Globenmuseum das "Kabinett der Sammlerinnen und Sammler" installiert, wo repräsentative Ausschnitte aus bedeutenden Privatsammlungen zu sehen sind. In diesem Rahmen wird unter anderem der älteste in Österreich befindliche Globus, namentlich der Erdglobus von Gemma Frisius aus dem Jahr 1536, zur Schau gestellt.

Erster Mondglobus, der bereits einen Teil der Mond-Rückseite zeigt, Moskau 1961. - © Foto: Johann Werfring
Erster Mondglobus, der bereits einen Teil der Mond-Rückseite zeigt, Moskau 1961. - © Foto: Johann Werfring

Zum 40-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung interessieren sich derzeit viele Besucher für die raren Mondgloben des Museums. Der früheste Globus des Erdtrabanten stammt aus dem Jahr 1797; er wurde in London hergestellt. Die Serienherstellung begann Anfang des 19. Jahrhunderts in Wien. Aufgrund der gebundenen Rotation des Mondes um die Erde konnte damals nur die der Erde zugewandte Seite des Mondes eingezeichnet werden.

Supermächte im Wettstreit

Erst die sowjetischen und US-amerikanischen Raumfahrtunternehmungen erhellten nach und nach die "dunkle Seite des Mondes". Nach der Umrundung des Erdtrabanten durch die sowjetische Weltraumsonde "Luna 3" im Oktober 1959 gab es erstmals fotografische Aufnahmen von der Rückseite des Erdmondes. Diese Daten bildeten die Grundlagen für den ersten in Moskau (serienmäßig) produzierten Mondglobus, der zumindest einen Teil der bis dahin unbekannten Rückseite des Mondes wiedergab (kleines Bild). Infolge des lunaren Wettstreits der rivalisierenden Supermächte UdSSR und USA waren kurz darauf auch die letzten unerforschten Bereiche des Mondes kartographisch erfasst.

Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
1010 Wien, Herrengasse 9
Di, Mi und Fr bis So 10–18 Uhr,
Do 10–21 Uhr, Tel. (01) 534 10/710
www.onb.ac.at/globenmuseum.htm

Print-Artikel erschienen am 30. Juli 2009
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7