Mit der Geräuschkulisse von Wachkomapatienten werden Ausstellungsbesucher drei Tage lang konfrontiert. - © Rania Moslam
Mit der Geräuschkulisse von Wachkomapatienten werden Ausstellungsbesucher drei Tage lang konfrontiert. - © Rania Moslam

Wien. Es piept im Raum. Permanent und insistierend bahnt sich der fiepende Ton durch den Ausstellungsraum, bildet eine ständig präsente Geräuschkulisse. Er geht von den Apparaten des mächtigen Intensivpflegebettes aus, das in einer Koje hoch über den Köpfen der Besucher zu schweben scheint.

Rund um dieses "Herzstück" der Ausstellung hat das Künstlerduo hoelb/hoeb im Künstlerhaus ein Trainingslabor rund um Diversität, Inklusion und Integration geschaffen. An der Schnittstelle zwischen Alltag, Kunst und sozialen Choreografien, zwischen Mensch, Tier und Robotik setzen sich die Künstler gemeinsam mit 20 Fachleuten aus Kunst, Wissenschaft und Sozialbereich drei Tage lang mit den Themen Beeinträchtigung und "Andersheit" auseinander. Im Zentrum stehen körperliche Verwandlungen, die aus Krankheit, Behinderung oder anderen Formen von Diversität resultieren und oftmals zu Ausgrenzung und Marginalisierung führen.

Seit 2000 arbeiten Barbara "hoelb" Hölbling und Mario "hoeb" Höber als Künstlerduo zusammen. Das Projekt "training - Spielstätte für einen inklusiven Humanismus", eine Koproduktion mit imagetanz/brut wien, ist die konsequente Weiterführung ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit, die darauf abzielt, Kommunikations- und Erfahrungsräume zu schaffen.

So etwa in ihrem Vorgängerprojekt "Close Link" beim steirischen Herbst, das sich mit Menschen im Wachkoma und deren Bewusstseinslagen beschäftigte. Persönliche Erfahrungen mit Beeinträchtigung, Behinderung, Ausgrenzung und Inklusion machte das Duo bei ihrer Arbeit zum Filmprojekt "Alexander": Ein Jahr lang begleiteten sie einen fünfjährigen Buben im Alltag, der an einer seltenen, unheilbaren Fehlbildung des Zentralnervensystems leidet, die sein Wahrnehmungsvermögen beeinträchtigt.

"Wie geht unsere Gesellschaft heute mit Anderssein um?"


"Mit ,training‘ möchten wir aufzeigen, welch großer kultureller Beitrag hinter Beeinträchtigungen steckt und wie sie unseren Alltag bereichern können", sagt Mario Höber im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Das sind Informationen, die man nicht googeln kann und die wir in dieser Form in der Regel nicht wahrnehmen. Wir möchten eine Plattform bieten, um dieses Wissen zu verbreiten und wo Gruppen, die sich so sonst nie begegnen, in offenen Dialog treten können."