Such den Flüchtling , heißt es für Passanten im Resselpark beim Projekt "Organized Disintegratio." - © brut
Such den Flüchtling , heißt es für Passanten im Resselpark beim Projekt "Organized Disintegratio." - © brut

Wien. Der Wiener probiert alles, um seiner Langweile Herr zu werden. Früher ist er Samstagnachmittag auf einer Einkaufsstraße flaniert, hat seine Muskeln im Fitnesscenter trainiert und seinen Abend bei Brettspielen mit Freunden verbracht. Das reicht ihm heute nicht mehr. Er flaniert auf Mitternachtsflohmärkten in abgeschiedenen Industriehallen, er schwitzt bei 39 Grad im Bikramyogazelt und lässt sich mit seinen Freunden in einen Bunker einsperren, aus dem er nur mit viel Kombinationsgeschick wieder herauskommt. So sieht moderne Freizeitgestaltung aus. Seit Freitag kann er sich einem neuen Hobby widmen: der Flüchtlingsjagd. Bis 21. März geben fünf Asylwerber das Freiwild zum Anfassen. Von 14 bis 20 Uhr laden sie im Resselpark Passanten dazu ein, mit ihnen Verstecken zu spielen.

"Organized Disintegration" nennt die katalanische Künstlerin Nuria Guell dieses Projekt. Was nach einem zynischen Zeitvertreib gelangweilter Großstädter aussieht, soll vielmehr die Bedingungen thematisieren, unter denen Asylwerber in Österreich leben und arbeiten. Das Projekt geht dabei über das Versteckspiel hinaus. Um die Asylwerber legal für die Arbeit beschäftigen zu können, hat das Wiener brut, der Veranstalter, die rechtlichen Bedingungen des Arbeitsmarktes für Asylwerber durchleuchtet und einen Leitfaden erstellt. Im Mobilen Stadtlabor der Technischen Universität wird er am Samstag im Resselpark vorgestellt. Es ist ein kleines Einmaleins, wie Asylwerber beschäftigt werden können, ohne sie auszubeuten und ohne eine Strafe zu kassieren.

Erst im Jänner hat der Fall eines Sozialarbeiters wieder gezeigt, wie knifflig so ein Unterfangen sein kann. Wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtet hat, wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 1730 Euro verklagt, weil er gegen das Ausländer- und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz verstoßen hatte, als er einem sudanesischen Flüchtling ein Trinkgeld von 110 Euro für seine Hilfe im Garten gezahlt hatte.

Auf der Suche nach
der Gesetzeslücke


Laut Ausländerbeschäftigungsgesetz dürfen Asylwerber nach drei Monaten eine Stelle antreten - sofern sich kein Einheimischer oder EU-Bürger für die Stelle findet. Ein großzügiger Zugang zum Arbeitsmarkt, eigentlich. 2004 wurde das geändert. Der damalige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) beschränkte den Zugang auf Saison- und Erntearbeit. Darüber hinaus können Asylwerber als Selbständige arbeiten, sofern sie dafür keinen Gewerbeschein benötigen, also etwa als Zeitungsträger oder Prostituierte. Bei den restlichen Beschäftigungen muss der Arbeitgeber einen Antrag auf Arbeitsbewilligung stellen und beweisen, dass kein Inländer oder EU-Bürger für den Job in Frage kommt.