Neben dem restriktiven Zugang stellt aber auch die Zuverdienstgrenze ein Problem dar. In den meisten Bundesländern liegt sie bei 100 Euro im Monat. Verdient der Asylwerber mehr, fliegt er aus der Grundversorgung.

"In Österreich sind die Gesetze so entworfen worden, dass die Leute nicht arbeiten können", sagt Nuria Guell. In Spanien und Schweden, wo die Künstlerin ihr Versteckspiel zuletzt realisiert hatte, war die Lage deutlich einfacher. In Österreich würden sie in die Illegalität gezwungen werden, meint sie. "Aber wir haben eine kleine Lücke im Gesetz gefunden. Und mit dem Leitfaden geben wir Leuten eine Strategie in die Hand, wie sie damit spielen können." Es ist ein kleines utopisches Korrektiv, sozusagen.

Das Zauberwort heißt Werkvertrag


"Es ist ein Minenfeld", sagt Peter Marhold. Der Anwalt arbeitet für den Verein "Helping Hands", eine Organisation, die sich vor allem auf Rechtsberatung im Fremdenrecht spezialisiert hat. Er hat den Leitfaden für das Projekt ausgearbeitet. Die Lücke im Gesetz heißt Werkvertrag. Sofern bewiesen werden kann, dass es sich bei der Arbeit eines Asylwerbers um keine bewilligungspflichtige unselbständige Tätigkeit handelt, bei der er unter anderem weisungsgebunden ist, feste Arbeitszeiten hat und fremde Betriebsmittel einsetzt und nicht vom Auftraggeber abhängig ist, kann man davon ausgehen, dass er einer selbständigen Tätigkeit nachgeht. Damit kann er für sein "Werk" bezahlt werden. "Wenn ich gewisse Kriterien beachte, komme ich da hin. Aber das muss man sich von Fall zu Fall anschauen", erklärt Marhold vorsichtig. Denn als "Kochrezept" dafür, wie die Zugangsbedingungen für Asylwerber auf den heimischen Arbeitsmarkt umgangen werden können, will er den für die fünf Asylwerber ausgearbeiteten Werkvertrag des Projekts nicht verstanden wissen.

Auch Nuria Guell weiß, dass eine Lücke noch lange keine Gesetze aushebeln kann. Dennoch ist die Künstlerin optimistisch. In Spanien konnte der Protagonist ihres Versteckspiels dank der dort ausgearbeiteten Werkverträge der Veranstalter im Land bleiben, in Schweden gar einen positiven Asylbescheid erhalten. In Österreich sind Guells Erwartungen bescheidener: "Es ist eine kleine Möglichkeit in einer großen Unmöglichkeit."