Wien. (bs/apa) Jetzt hat sich also doch noch etwas bewegt. Bereits 2010 war eine Vermittlungsdrehscheibe für Leerstände in den rot-grünen Regierungspakt geschrieben worden. Am Freitag teilte das Rathaus mit, dass die projektierte Plattform "Kreative Räume" 2016 starten wird. Die Ausschreibung dazu soll noch vor dem Sommer durchgeführt werden. Gestern, Montag, wurde im Kulturausschuss der Magistrat mit der Durchführung der notwendigen Vorarbeiten beauftragt.

Die Sache sei vorerst auf drei Jahre angelegt, danach werde evaluiert, hieß es seitens der Stadt. 450.000 Euro sind für die Serviceagentur budgetiert. Die Kosten teilen sich das Finanz-, Stadtplanungs- und Kulturressort zu gleichen Teilen. Die Agentur soll private Hausverwalter oder Immobilienentwickler mit Künstlern und Start-ups der Kreativwirtschaft zusammenbringen, um ungenutzte Geschäftslokale temporär oder längerfristig zu bespielen. Außerdem soll sie einen Überblick bieten über die bestehenden Angebote der Stadt - wie den Gebietsbetreuungen, dem Projekt "Lebendige Straßen und Plätze" oder dem Projekt "Einfach - Mehrfach". Es soll aber auch um die Vernetzung mit den Aktivitäten von Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie von Interessensvertretungen zum Thema Leerstand gehen.

IG Kultur will NutzerInnenbeirat


Eine dieser Interessensvertretungen ist die IG Kultur Wien, die die Etablierung einer Serviceagentur in einer Aussendung begrüßt. IG-Obmann Willi Hejda betont, dass es ein politisches Bekenntnis braucht, Initiativen zu unterstützen, die nicht kommerziell ausgerichtet sind. Er fordert einen NutzerInnenbeirat "aus Vertretern sozialer, kultureller und kreativwirtschaftlicher Bereiche, die bei der Konzeption dieses Leerstandsmanagements ernsthaft eingebunden sind". Außerdem brauche städtisches Leerstandsmanagement auch leerstehendes städtisches Eigentum, um fair leistbaren Raum vergeben zu können.

Laut Rathaus werden in einem zweistufigen, internationalen Verhandlungsverfahren Personen oder Unternehmen gesucht, "die mit der Kultur-, Kreativ- und Immobilienbranche vernetzt sind und über Wienkenntnisse sowie Erfahrungen im Bereich Zwischen- und Nachnutzung verfügen". Eine Beschreibung, die auch auf Nest, die Agentur für Leerstandsmanagement, zutrifft, die vor etwa einem Monat ihre Arbeit aufgenommen hat. In dieser Zeit wurde die Agentur bereits mit Anfragen überrannt, erzählt Co-Geschäftsführer Lukas Böckle.

"Gebietsbetreuung Leerstand"


Er wünscht sich eine Art "Gebietsbetreuung Leerstand", wo es Beratungen gibt und Interessierte hinverwiesen werden können. Er könnte sich aber auch vorstellen - da es seitens Nest im Beratungs-Bereich bereits Erfahrungen gibt und sie auch schon dabei sind, eine Plattform zu programmieren -, diese Dienstleistung für die Stadt im Rahmen einer Kooperation zu übernehmen.

Für die Stadt ist es wichtig, dass "Kreative Räume" nicht gewinnorientiert arbeitet und weder eine Fördereinrichtung ist, noch als Anmieterin auftritt. Die Hauptaufgabe ist die Beratung bei Eigentümern und Nutzern bei der Suche oder Konzipierung von Projekten. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Kommunikation des vielfältigen Nutzens von Zwischennutzung.