- © Luiza Puiu
© Luiza Puiu

Wien. Morgens ist es in der Seestadt leer, wie nach der Apokalypse, nur viel aufgeräumter. Weit und breit blüht nur Mohn, und Frösche quaken aus dem surreal blauen See heraus. Irgendwo hier, munkelt man, sperrt demnächst eine Buchhandlung auf. "Entschuldigung, wo geht es hier zur Janis-Joplin-Promenade?", wird irgendwann ein ganz normaler Satz sein, den man tatsächlich an irgendjemanden richten können wird, der hier wohnt. Momentan dauert es aber ziemlich lange, bis man auf andere Lebewesen trifft. Ein 16-jähriges Mädchen, das noch nie von Janis Joplin gehört hat, zeigt in drei Himmelsrichtungen und sagt: "Dort drüben zum Beispiel ist nichts und dort auch nicht. Aber ich glaube, wenn man in die Richtung geht, kommt man dann doch wo hin."

2014 war kein gutes Jahr für den Buchhandel


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2014 war kein gutes Jahr für die unabhängigen Buchhandlungen in Wien. Die Buchhandlung am Quellenplatz schloss nach vielen Jahren ihre Pforten und auch der Malota, ein Urgestein der Wiedner Hauptstraße, musste zumachen. Der Online-Handel gräbt den kleinen Buchhandlungen eben viel Wasser ab und schon viele Unabhängige sind daran zugrunde gegangen. Trotzdem beheimatet Wien ein paar unverbesserliche Optimisten. Neben der Buchhandlung im Stuwerviertel, die seit letztem Herbst am Start ist, stürzen sich nun auch die Inhaber der demnächst eröffnenden Seeseiten ins Geschäft.

Erfüllen sich ihren Kindheitstraum: Johannes Kößler und Bettina Wagner. - © Christoph Liebentritt
Erfüllen sich ihren Kindheitstraum: Johannes Kößler und Bettina Wagner. - © Christoph Liebentritt

Nur einen Steinwurf von der U2-Station Seestadt und direkt am öffentlichen Badesee packen zwei Mittdreißiger dieser Tage Kisten aus und füllen die Regale ihrer hellen und innenarchitektonisch akribisch geplanten Buchhandlung mit Belletristik, Sachbüchern, Reiseführern und einer großen Vielzahl Bilder- und Jugendbüchern. Aufgeregt wie Kinder am Weihnachtsmorgen führen Bettina Wagner und Johannes Kößler durch die Räumlichkeiten.

"Hier zum Beispiel kommt die Kinderhöhle hin, und von dem Turm da oben können die Kinder über die ganze Buchhandlung schauen", erklärt Wagner. Es solle vor allem gemütlich sein, ein Ort, an den man gerne auch einfach nur so geht und Kaffee trinkt und auf den riesigen Futon-Möbeln in Büchern versinkt, während man durch die Glasfront direkt aufs Wasser schauen kann, erklären die beiden ihre Vision.

"Wir haben immer schon gesagt, dass wir eine eigene Buchhandlung aufmachen wollen, wenn wir groß sind", sagt Bettina Wagner, die bisher Verlagsvertreterin bei Diogenes war. Auch Kößler hat schon einige Stationen innerhalb der Branche gemacht, ist aber durch und durch Buch-Nerd. Als er gefragt wird, was er als Erstes empfehlen wird, überschlägt er sich beinahe vor lauter Einfällen. Das Schönste sei, wie sehr sich die Leute schon auf die neue Buchhandlung freuen.