Leute gehen in Clubs, wenn sie genug von der Woche haben. Freitag, Samstag, oft auch Donnerstag stehen sie an verwinkelten und schlecht beleuchteten Orten Wiens, in denen sich bei lauter Musik allerlei Düfte überlagern, Deodorants, Trockennebel, frischer Schweiß, manchmal Zigaretten oder Parfum. Eigentlich sind Clubs recht unwahrscheinliche Orte, um Freizeit zu verbringen. Aber sie tun es, um jemanden zu finden, der bei ihnen schläft, um sich wegzuhämmern, um mit Freunden rumzuziehen oder um gute Musik zu hören und stundenlang zu tanzen. In Clubs kann man sich ausklinken und an all das nicht denken, das einem unter der Woche den Kopf schwer macht.

Tja, vielleicht glaubst du das ja. Clubs sind nur leider nicht die Orte, an denen einfach alles besser ist. In Clubs geht es immer von Neuem darum, sich kurz diese ideale Welt zu schaffen. Natürlich gibt es dabei Schattenseiten. Von der Türpolitik über Drogen, Sperrstunden, sexuelle Belästigung bis hin zu Steuern, Diskriminierung, Arbeitsbedingungen und der Rolle von Frauen in der elektronischen Musik überhaupt – es tun sich viele Themen auf, über die zwar oft diskutiert wird, die aber schwer zu ändern sind.

Als sich etwa die Produzentin Nina Kraviz vor zwei Jahren ziemlich nackt in ein Schaumbad legte, um für eine Mini-Doku über ihre Musik zu reden, schlug das höhere Wellen, als geplant war. Auf die verächtlichen Kommentare, dass sie das bei ihrer Musik wohl nötig habe, folgte eine breite Diskussion, ob und wie frauenfeindlich elektronische Musik ist. Denn an den Reglern sitzen kaum Frauen, weibliche DJs sind in einer eklatanten Unterzahl, bei Plattenfirmen und in den Clubs sieht es abgesehen von der Klofrau nicht besser aus – und wenn dann eine selbst Musik macht, hört man von Kommentaren, die Witzen über einparkende Frauen wenig nachstehen. Nicht allen Frauen ergeht es so, ein paar sehen ihr Geschlecht sogar als Vorteil.

All diese Zahlen und Studien gibt es. All diese Erzählungen und Erfahrungen gibt es auch. Und sieht man sich etwa das Line-Up der drei größten Festivals für elektronische Musik in Österreich – Electric Love, Urban Art Forms und Lake Festival – heuer an, dann muss man Frauen zwischen all den steilen DJ-Typen mit ihren Dreitagebärten und ihren verspiegelten Sonnenbrillen suchen. Nichts gegen diese lässigen Dudes, die sicher hart Party machen, aber Machtverhältnisse wie vor hundert Jahren, will man das? Eben.