Wien. (rös/apa) Im AKH sowie in den Ordensspitälern gibt es in der Frage der Umsetzung der neuen Arbeitszeitrichtlinien für Spitalsärzte bereits eine Einigung, im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) spießt es sich immer noch. Nach einem Gespräch zwischen Ärztekammer (ÄK) und Stadt am Donnerstag ist vor allem die Bezahlung der Nachtdienste weiterhin der größte Streitpunkt.

Zuvor hatte die ÄK die bereits bestehende Einigung zwischen Stadt, Kammer und Gewerkschaft abgelehnt und einen Forderungskatalog von fünf Punkten an Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) übermittelt - die "Wiener Zeitung" hat berichtet.

Kompletter Kurswechsel

"Wir haben vier Punkte zu 100 Prozent erfüllt", betonte Wehsely am Donnerstag. Sie hat mit diesen Zugeständnissen - angeblich auf Druck von Bürgermeister Michael Häupl - eigentlich einen kompletten Kurswechsel vollzogen und damit ihre Position geschwächt. Schließlich hatte sie noch vor ein paar Wochen erklärt, dass das beschlossene Paket mit Sicherheit nicht mehr aufgeschnürt werde.

Doch vier von fünf Punkten sind der ÄK noch immer zu wenig: Die Frage der Nachtdienste - die Ärztekammer fordert eine bessere Entlohnung, vor allem an Wochenenden und Feiertagen - ist ungeklärt geblieben.

"Mehr Geld geht einfach nicht", erklärte die Stadträtin. Dabei gehe es auch um das Gefüge innerhalb der Stadt, denn vor allem die - von der Ärztekammer akzeptierte - Einigung in den Wiener Ordensspitälern würde sich stark an dem Gehaltsschema für den KAV orientieren. Gebe es nun für die KAV-Ärzte nachträglich eine Erhöhung, wäre das "ungerecht" und der Weg zu "Zwei-Klassen-Ärzten", so Wehsely.

"Wir haben einige Antworten auf unsere Fragen bekommen, jetzt werden wir in den Gremien diskutieren", erklärte der Präsident der Wiener Ärztekammer, Thomas Szekeres. Allerdings glaube er nicht, dass die Kurie bei ihrer nächsten Sitzung am 8. Juni zustimmen werde. Denn vor allem in Sachen Nachtdienste sei das Angebot "gar kein Schritt in unsere Richtung".

Kritik übt die Kammer am Zuschlag von 75 Euro pro Nachtdienst, der sich auch an Sonn- und Feiertagen nicht erhöhe. Der tatsächliche Verdienst sei allerdings durch das bessere Grundgehalt sowie die regulären Zuschläge für Sonn- und Feiertagsstunden deutlich höher, rechnete die Stadt vor. Zudem werde man das neue Gehaltsschema noch heuer evaluieren und falls nötig Anpassungen vornehmen, so Wehsely.