Wien. Andreas Kous hat eine Mission: Er will Bildung unters Volk bringen. Dafür braucht er kein Klassenzimmer, keine Bücher und keine Lehrer. Er benötigt nur eine aufblasbare Leinwand. Kous ist seit 13 Jahren Projektleiter des Volxkinos. Es ist ein Wanderkino, das seit 1990 Filme zu den Menschen bringt. Der Auftrag: Das Publikum zu sensibilisieren für aktuelle politische Fragen, die im Alltag neben Arbeit, Studium und Familie zu gern übersehen werden. Mit einem Film lässt sich da schnell Abhilfe schaffen. 90 Minuten und der Auftrag ist erfüllt.

Auch andere Freiluftkinos in Wien haben sich dieser Mission verschrieben. Ein Sommer vor der Leinwand im Zeichen der Volksbildung. Insgesamt 13 Freiluftkinos gibt es derzeit in Wien, sieben von ihnen bieten ihre Vorführungen kostenlos an. Jedes Kino hat seinen eigenen Schwerpunkt. Die einen konfrontieren ihr Publikum mit den Flüchtlingsströmen gen Europa, die anderen mit der Ungleichheit von Mann und Frau im Berufsleben.


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Das Volxkino legt seinen Fokus auf "aktuell politische" Themen. Das Programm wird dabei auf den jeweiligen Standort und die Bewohner zugeschnitten. In Ottakring, wo derzeit ein Dachgeschoß nach dem anderen ausgebaut wird, versuchte man mit "Buy Buy St. Pauli" - einer Dokumentation über die Neubauten im Hamburger Kiez St. Pauli- auf das Thema Gentrifizierung aufmerksam zu machen. Die österreichische Produktion "Risse im Beton" über einen jungen Drogendealer mit migrantischem Hintergrund, der vom Dasein als Rapper träumt, zeigt man hingegen bewusst einem jungen Publikum auf einem Sportplatz in Alt Erlaa. Weiterer erzieherischer Nebeneffekt des Wanderkinos ist auch das Vorstellen bisher unbekannter Plätze, wie etwa dem Dornerplatz im 17. Bezirk. "Wir werden oft dazu eingeladen, dass wir bestimmte Grätzln beleben", erklärt Kous.

Publikum an fremde
Sprachen gewöhnen


Das Frameout-Festival hisst unterdessen die feministische Flagge im Museumsquartier. Einer der Schwerpunkte des Festivals liegt heuer auf Frauen im Film. Publikumsgespräche im Anschluss an die Vorführungen sollen zusätzlich die "Bewusstseins- oder Meinungsbildung" des vorwiegend jungen Publikums fördern, erklärt die Leiterin Martina Theininger. Filme wie "Private Revolutions - jung, weiblich, ägyptisch" über vier ägyptische Frauen, die für Emanzipation kämpfen, sollen die Diskussion über Gleichberechtigung und Feminismus wieder ins Rollen bringen. Außerdem werden alle Filme in Originalfassung mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Einerseits, um auf die Vielfalt an Produktionsländern aufmerksam zu machen und andererseits um das Publikum mit Sprachen fernab von Deutsch und Englisch zu konfrontieren.

Auf dem Lehrplan von "Kino unter Sternen" steht die Förderung der österreichischen Filmkultur. Bis Samstag werden am Karlsplatz ausschließlich österreichische Produktionen gezeigt. Der Fokus liegt hier auf der Exilforschung. Es werden vor allem Filme von Österreichern gezeigt, die zur Zeit des Nazi-Regimes aus dem Land fliehen mussten. Namen wie Peter Lorre, der unter anderem durch seine Rolle als Visa-Händler Ugarte in dem US-Filmklassiker "Casablanca" berühmt wurde, sollen dabei im Gedächtnis bleiben. Das Publikum soll so fernab der Hollywood-Blockbuster etwas über die österreichische Geschichte lernen, denn "vor allem für Jugendliche sind diese Menschen kein Begriff", meint die Leiterin von "Kino unter Sternen", Judith Wieser-Huber.

Talent von nebenan
sichtbar machen


Auch der Neuling unter den Filmfestivals "Film ab im Grätzl" hat ein klares Ziel vor Augen. Die Verantwortlichen wollen "die Kreativität und den Reichtum der Grätzlkultur zeigen, der oftmals im Verborgenen bleibt". Es werden Kurzfilme gezeigt, die entweder über das Grätzl erzählen oder von einem seiner Bewohner gedreht wurden. Vor allem Jugendliche sollen so erkennen, dass Talent nicht nur in Hollywood existiert, sondern dass man mit Künstlern "Tür an Tür lebt", erklären die Initiatoren.

Einige Minuten lang haben die Zuschauer so Zeit einzutauchen in fremde Welten, die nur eine Haustür entfernt sind und mehr mit dem eigenen Alltag zu tun haben, als den meisten bewusst ist. In diesem Sinne: Film ab.