Wien. Die österreichische Hauptstadt soll weltweit Vorreiterin im Bereich "Smart Cities" sein, wenn es nach der Stadtregierung geht. Dafür müssen Herausforderungen wie Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gemeistert werden. Deshalb hat die Stadt Wien im Rahmen ihrer Smart City Strategie in den vergangenen zwei Jahren Siemens bei der Entwicklung einer Entscheidungshilfe für Stadtentwicklungsprojekte unterstützt. Das Siemens City Performance Tool soll helfen, die zielführendsten Technologien für ihre Projekte auszuwählen und die Auswirkungen abschätzen zu können.

"Wien war die erste Pilotstadt für das Projekt und ein maßgeblicher Impulsgeber für die Entwicklung des Programms", erklärt Wolfgang Hesoun, Geschäftsführer von Siemens Österreich, bei der Präsentation der als Weltneuheit vorgestellten Software am Dienstag. "Das Modell stellt dem weltweiten Megatrend zur Urbanisierung Lösungskonzepte entgegen", erklärt er. Bereits die Hälfte der Weltbevölkerung lebe in städtischen Ballungsräumen. Bis 2050 sollen es schon siebzig Prozent sein. "Städte werden die Energieverbraucher der Zukunft sein", gibt Hesoun zu bedenken. Neben infrastrukturellen Einzelmaßnahmen müsse daher das Gesamtbild mit allen Zusammenhängen im Auge behalten werden.

Das Entscheidungswerkzeug zieht dafür 70 verschiedene Technologien aus den Bereichen Transport, Gebäudetechnik und Energie heran. Dazu zählen der öffentliche Verkehr, E-Mobilität, Gebäudeisolation und Photovoltaik. Bevor das Modell jedoch einsatzbereit ist, werden drei bis sechs Monate lang detaillierte Daten gesammelt, um ein Städteprofil zu zeichnen. "Dies ist notwendig, da diese Baseline genau der Punkt ist, an dem sich Städte unterscheiden", erklärt Klaus Heidinger vom "Siemens Global Center of Competence".

Sind alle Daten erfasst, können per Knopfdruck verschiedene Szenarien wie der Bau einer neuen U-Bahnlinie oder ein verstärkter Einsatz von Solarenergie durchgespielt werden. "Schon mit einer Handvoll Maßnahmen können 1,65 Megatonnen CO2 bis 2025 eingespart werden. Das entspricht dem jährlichen Ausstoß von 345.000 Autos", betont Heidinger, der das Programm am Beispiel von Wien vorführt. Falls die Stadt ihre bereits eingesetzten Technologien zur Treibhausgasreduktion weiterentwickelt, sollte sie das Ziel einer 35-prozentigen Verminderung des CO2-Ausstoßes in etwa 2033 erreichen. "Diese Analyse birgt aber auch das Risiko, dass es zu weiteren Verzögerungen kommt, wenn die Stadt nicht daran festhält." Bei verstärkter Konzentration auf erneuerbare Energien, E-Mobilität und Gebäudetechnik könnte die Stadt aber ihre Klimaziele schon in zehn Jahren in der Tasche haben.

Momentan betreut Siemens weltweit 20 Städte mit dem City Performance Tool, darunter München, London und die chinesische Millionenstadt Nanjing. "Wir sehen zunehmendes Interesse in den USA", so Heidinger. Gespräche mit Washington laufen. Auch Australien will "smarter" werden. "Letzte Woche haben wir Adelaide unter Vertrag genommen, Sydney und Melbourne werden folgen."