Dass Frauen für die gleiche Arbeit immer noch weniger verdienen als Männer ist längst bekannt, Stichwort Gender Pay Gap. In Österreich beträgt die Differenz ganze 23 Prozent und rangiert damit im EU-weiten Vergleich an vorletzter Stelle. Noch größere Unterschiede gibt es nur in Estland mit fast dreißig Prozent.

Aber wie sieht es bei den Vermögen aus? Ein unerforschtes Feld, weil es schlicht und ergreifend bislang an Daten mangelte. Durch den Household Finance and Consumption Survey (HFCS) stehen nun erstmals umfassende und vergleichbare Daten für Österreich zur Verfügung. Durchgeführt wurde die Erhebung von der Österreichischen Nationalbank in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank. Alyssa Schneebaum hat sie gemeinsam mit Kolleginnen von WU und Arbeiterkammer analysiert und extrahiert, welche finanziellen Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Haushalten herrschen.

Die aus New York stammende Jungwissenschaftlerin kommt zu dem Schluss, dass weibliche Single-Haushalte deutlich geringere Nettovermögen als ihre männlichen Pendants. Weibliche Singles verfügen im Schnitt über 110.000 Euro, während es sich bei Männern ganze 194.000 Euro beläuft.

Aber die Unterschiede reichen weiter: "Die reichsten Männer besitzen viel mehr Geld, als die reichsten Frauen. Das gilt europaweit und ist in Österreich nicht anders. Die reichsten zehn bis fünfzehn Prozent sind ausschließlich Männer, " so Schneebaum.

Woran das liegt, hat sie in einer weiteren Studie, die sie gemeinsam mit dem WU-Ökonom Wilfried Altzinger analysiert. Die Volkswirte haben sich angeschaut, inwieweit sich das Bildungslevel vererbt und wie das mit dem Geschlecht zusammenhängt, die Wissenschaftler sprechen dabei von "Bildungs-Persistenz". Das klare Ergebnis: Die Bildung der Mutter beeinflusst jene der Tochter, während sich die Bildung des Vaters auf jene des Sohns auswirkt. Geschlecht ist damit ein wesentlicher Faktor für gesellschaftlichen Aufstieg.

"Generell hat die Persistenz in ganz Europa abgenommen, aber es gibt deutliche Unterschiede", so Schneebaum. Während sie in den nordischen Ländern deutlich sinkt und zu mehr Chancengleichheit führt, ist sie in Österreich und dem Rest Kontinentaleuropas relativ hoch geblieben."

Für ein Sinken der Bildungs-Persistenz gibt es einen entscheidenden Faktor: Der Zugang zu kostenloser Bildung. Deren Einführung brachte in den 70ern einen Schub an Bildungs-Gerechtigkeit, in Stein gemeißelt ist sie nicht. Alyssa Schneebaum untersucht in ihrer aktuellen Studie, inwiefern sich Kinderbetreuung auf die Vermögens-Gleichheit der Mütter im Vergleich zu Männern auswirkt. Ergebnisse wird sie Anfang nächsten Jahres präsentieren. Ihre Prognose: "Es gibt wohl kaum einen wichtigeren Faktor, als der Zugang für Mütter zum Arbeitsmarkt."

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