Zweiter Knackpunkt: die Bildungspolitik. Während hier die SPÖ kontinuierlich die Umsetzung der Ganztagsschulen und die gemeinsame Schule für 10- bis 14-Jährige vorantreibt, beziehungsweise auch das Konzept der neuen Wiener Mittelschule, will die ÖVP auf Biegen und Brechen die Gymnasien erhalten.

Beim Verkehr hätte man zumindest bei der ÖVP weniger Probleme gesehen. Zwar hätten die Stadtschwarzen noch immer lieber ein anderes Parkraumbewirtschaftungssystem und U-Bahnen ins Wiener Umland. "Aber da hätte man sich schon einigen können", hieß es. Immerhin hätten sich kurz vor der Wahl plötzlich eine Reihe von SPÖ-Bezirksvorstehern über die grüne Verkehrspolitik aufgeregt. Vor allem die in den Flächenbezirken. Auch die Ringsperren hätten immer mehr Kritiker aus der SPÖ nach sich gezogen. Hier wäre die SPÖ mit der ÖVP besser dran gewesen, ist man bei der ÖVP überzeugt. Denn wenn Rot-Grün so weitermachen sollte, wie bisher, dann gebe es in fünf Jahren definitiv einen blauen Bürgermeister. Hier gehe es vor allem um die Flächenbezirke. "Die schätzen nämlich mehr eine rechtere Politik als eine Links-Wohlfühl-Begegnungszonen-Politik", meinte ein Insider. Zusammen mit der ÖVP hätte die SPÖ wieder mehr für die Autofahrer machen und auf diese Weise wieder "Punkte sammeln" können.

Die offizielle Aussage vom neuen ÖVP-Chef Gernot Blümel zu möglichen Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ hatte jedenfalls am Dienstag noch folgendermaßen geklungen: "Wir werden über alle Themen tabulos sprechen können müssen. Vor allem für den Standort Wien, für das Wirtschaftswachstum und für die Arbeitslosigkeit, muss etwas Entsprechendes dabei sein. Man sollte auch über Privatisierungen und eine Reform von Mindestsicherung und Pensionen reden."

Doch jetzt sind erst einmal die Grünen an der Reihe. Und wenn die ersten Gespräche nicht fruchten, kann sich Häupl noch immer für die ÖVP entscheiden.