Wien. Die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen sind angelaufen. Bis Mitte November will SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Häupl die neue Regierung aufgestellt haben. Sofern man sich mit den Grünen einigen kann. Hier zeigt sich Häupl durchaus optimistisch - er sieht "nicht wirklich unüberwindliche Hindernisse", bestenfalls "Meinungsverschiedenheiten", wie er am Dienstag nach der Parteivorstandssitzung erklärte. Und die dürften vor allem in der Frage der Wahlrechtsreform zu finden sein.

An der haben sich nämlich die Grünen die vergangenen fünf Jahre die Zähne ausgebissen - dabei hätte sie bereits 2012 abgeschlossen sein sollen: In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats nach der vorigen Wahl im Jahr 2010 beschloss Rot-Grün einen von ihnen eingebrachten Antrag, in dem die "Schaffung eines modernen Verhältniswahlrechts" bis längstens Ende 2012 angekündigt wurde. Die Tatsache, dass unter "modern" jeder etwas anderes verstehen wollte, löste in der Folge eine jahrelang schwelende Diskussion aus.

Und die hätte heuer schließlich fast zu einem Koalitionsbruch geführt, nachdem die SPÖ den grünen Gemeinderat Senol Akklic abgeworben hatte, um in Sachen Wahlrechtsreform nicht überstimmt zu werden. Das mehrheitsfördernde Wahlrecht wollte sich die SPÖ - wissend, dass es ein Kopf an Kopf Rennen mit der FPÖ werden könnte - um keinen Preis noch kurz vor der Wahl wegnehmen lassen.

Maria Vassilakou hat jedenfalls bereits vor der Wahl im Interview mit der "Wiener Zeitung" bekräftigt, dass sie im Falle von Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ eine Wahlrechtsreform einfordern werde. "Sie können sicher sein, dass zu gegebener Zeit bei den nächsten Verhandlungen in meinem Gepäck ein faires Wiener Wahlrecht drinnen sein wird", erklärte sie damals. Durchaus mit dem Bewusstsein, dass es für die SPÖ schwer werden wird, einen Partner zu finden, der bei der Verteidigung alter Privilegien noch einmal mitspielt. Allerdings ist Häupl stärker aus der Wahl hervorgegangen als erwartet - und somit auch seine Verhandlungsposition.

Und er hat bereits angekündigt, dass er diesmal durchaus einige Dinge anders machen wolle: "Wir werden bestimmte Dinge, von denen man ausgehen kann, dass sie konfliktträchtig sind, viel genauer und sorgfältiger festlegen", erklärte Häupl. Im neuen Koalitionsabkommen werde man sicherlich keine Einsetzung einer Arbeitsgruppe zum Wahlrecht finden, sondern diese Frage vielmehr "sorgfältig abhandeln". Nur eine Arbeitsgruppe zu dem Thema einzuberufen, sei nicht mehr ausreichend.