Wien. Mühsam, geradzu ruckelnd und nicht wirklich von der Stelle kommend. Der von der ÖVP propagierte Neustart nach dem Debakel bei der Wien-Wahl will nicht so recht gelingen. Dabei wollte man die Schlappe so schnell wie möglich abhaken. "Mut zur Veränderung" steht auf den Plakaten, die nach dem Rücktritt von Parteichef Manfred Juraczka eilig in der ganzen Stadt aufgehängt wurden. Ein Nachfolger für Juraczka wurde mit Gernot Blümel zwar schnell gefunden. Für die Neubesetzung des Klubobmanns benötigte man aber mehr als fünf Wochen, um dann doch wieder auf den alten Landesparteiobmann Juraczka zurückzugreifen, der Fritz Aichinger ablöst.

"Es ist kein Bin-weg-schon-wieder-da-Phänomen", beeilt sich Juraczka bei seiner Antrittspressekonferenz als neuer Klubchef zu sagen. Er habe seine Verantwortung nach der Wahlniederlage mit dem Rücktritt wahrgenommen, beteuert er.

Juraczka wieder da
und bald wieder weg


Doch nun ist Juraczka wieder da. So richtig wohl dürfte er sich dabei aber nicht fühlen. Mit verkrampftem Gesicht steht er angespannt an der Seite von Blümel, seinem Nachfolger. Juraczka als Klubobmann, das sei eine Halbzeitlösung, sagt dieser. In den kommenden zweieinhalb Jahren soll Juraczka die Neo-Gemeinderätin Elisabeth Olischar aufbauen. Danach müsse er sein Amt wieder abgeben. Dann ist er wieder weg. Es sei ja schließlich klar, dass sich die Wiener ÖVP neu aufstellt, erklärt Blümel die gesetzte Frist.

Wirklich glücklich dürfte man in der Partei mit dieser Lösung aber nicht sein. Die Entscheidung in der Vollversammlung des ÖVP-Klubs sei mit "großer Mehrheit" getroffen worden, berichtet Blümel. Das Abstimmungsergebnis wollte er - auch auf Nachfrage - aber nicht nennen. Ob es viele Gegenstimmen gab? Blümel trotzig: "Nicht einmal ich habe 100 Prozent bekommen."

Mit der Wahl zum Klubobmann sind die relevanten Personalentscheidungen in der ÖVP gefallen. Von einer Runderneuerung kann aber nur bedingt gesprochen werden. Neben dem zurückgeholten Wahlverlierer Manfred Juraczka sind es schließlich die bereits geschasste langjährige Seniorenvertreterin Ingrid Korosec und die höchst umstrittene konservative christliche Theologin Gudrun Kugler, die das ÖVP-Team zieren und damit dem von Blümel beschworenen Veränderungsprozess in der Partei, den Wind aus den Segeln nehmen. Beide Politikerinnen kamen aufgrund eines erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampfes in den Landtag bzw. Gemeinderat.

Die unbekannte Nachwuchshoffnung


Die designierte Klubobfrau Elisabeth Olischar zählt hingegen zu den Nachwuchshoffnungen der Partei. Mit Leuten wie Olischar soll der Weg der ÖVP wieder nach oben führen, heißt es. Dass man große Stücke auf sie hält, zeigte auch die Reihung auf Platz zwei der Landesliste für die Wien-Wahl. Wenig ist über die 27-Jährige aus der Jungen VP noch bekannt. Lebensqualität und Stadtentwicklung seien ihre Steckenpferde, sagt die Landschaftsplanerin, als sie sich etwas schüchtern vor Journalisten vorstellt. Nun soll sie von Juraczka aufgebaut werden. Bis die medial und politisch unerfahrene Politikerin an Profil gewinnen wird, wird es dauern. Bis dahin muss der Neustart wohl vertagt werden.