Wien. Im Interview spricht Jugendforscher Philipp Ikrath über Hipster-Bashing, "Concept-Stores" und die Verankerung des Hipsters im Stadtbild.

"Wiener Zeitung": Der Klischee-Hipster trägt einen gepflegten Vollbart, Hornbrille und liebt den Vintagestil. Ist Hipster zu sein eine Modeerscheinung, oder steckt mehr dahinter?

Philipp Ikrath: Der Hipster ist ein soziales Milieu. Es sind junge Erwachsene unter 35, sie leben in großen Städten, studieren oder sind Jungakademiker. Das Äußere halte ich für eher nebensächlich. Es geht vielmehr um eine bestimmte Mentalität. Im Kern des hippen Habitus steht für mich die Ironie des Hipsters. Ironie nicht nur als rhetorisches Stilmittel, sondern Ironie als Denkweise, die nichts absolut setzt. So glaubt der Hipster nicht mehr an die großen Erzählungen der Vergangenheit. Mit herkömmlichen Definitionen von links und rechts lässt sich seine politische Einstellung nicht fassen. Für den Hipster ist alles ständig im Fluss. Er verweigert, sich endgültig auf eine Weltanschauung, einen Stil oder etwas anderes Absolutes festzulegen.

Dem Hipster wird vorgeworfen, sich alleine über seinen Konsum zu definieren. Was steckt dahinter?

In gewisser Weise kommuniziert jeder über seine Konsumpraktiken etwas über seinen Lebensstil. Der Hipster lehnt ab, was oft als Massenkonsum bezeichnet wird: Fast-Food, Mainstream-Modeketten und Erzeugnisse globaler Lebensmittelkonzerne. Insofern könnte man ihn als Rebell im Konsum verstehen. Die Ablehnung des Mainstream findet sich auch in seinem Kulturverständnis. Er misst vor allem jenen Kulturgütern Wert zu, die unter dem Label "independent" oder "alternative" zusammengefasst werden können.

Wo trifft man den Hipster in Wien?

Das Phänomen Hipster gibt es in Wien seit ungefähr zehn Jahren. Damals waren erste Anzeichen erkennbar, heute ist es fest im Stadtbild verankert. Wenn man durch den 4., 5., 6. oder 7. Bezirk geht, wird man dort überall Anzeichen dieser Kultur finden. Sogenannte Concept Stores zum Beispiel, wo ungewöhnliche Kombinationen von meist hochwertigen Produkten angeboten werden. Bars und Cafés im eklektizistischen Vintagestil. Oder Programmkinos, wie das Top-Kino im 6. Bezirk - eine Mischung aus Kino und Bar-Betrieb. Die angebotenen Produkte sind nicht auf Grund ihrer Marktposition, sondern ihrer Seltenheit und Exklusivität für den Hipster von Wert.