"Wiener Zeitung":Herr Landau, es gibt Gerüchte, dass es in Wien Schwierigkeiten bei der Auszahlung des Taschengeldes von Flüchtlingen gibt. Was sagen Sie dazu?

Michael Landau: Ich bin sicher, dass hier die Stadt Wien und die Hilfsorganisationen ihr bestes geben. Aber offenbar kommt es aufgrund der Vielzahl der Personen an der ein oder anderen Stelle zu Verzögerungen. Gleichzeitig stellen wir auch mit zunehmender Sorge fest, dass es etwa in Traiskirchen nach wie vor Flüchtlinge gibt, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, und dass die Menschen zunehmend lange auf ein Erstinterview und medizinische Erstversorgung warten müssen. Angesichts des bevorstehenden Winters besteht hier dringender Handlungsbedarf.

In Wien gibt es drei Wochen nach den Terror-Anschlägen in Paris und wegen des nicht enden wollenden Stroms an Flüchtlingen vielerorts Angst in der Bevölkerung. Glauben Sie, dass sich das auf die Spendenbereitschaft vor Weihnachten auswirkt?

Nein, das sehe ich nicht. Wir sehen, dass die Hilfsbereitschaft ungebrochen ist. Die aktuelle fordernde Situation bewegt viele Menschen dazu zu sagen, dass es jetzt auf jeden Einzelnen ankommt. Allein bei der Caritas haben sich in den vergangenen Wochen 14.000 Freiwillige gemeldet, die schutzsuchenden Menschen helfen wollen.

Viele meinen, dass auf die Österreicher in Not vergessen wird. . .

Österreich ist durch die vielen Menschen auf der Flucht gefordert. Aber wir dürfen selbstverständlich auch die notleidende österreichische Bevölkerung nicht vergessen. Da geht es um leistbares Wohnen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Pflege und um einen verbesserten Zugang zu Bildung für sozial schwache Familien. Als Caritas sagen wir ganz klar: Man darf die Not der einen nicht gegen die Not der anderen ausspielen - es ist kein ‚entweder oder‘, sondern ein ‚sowohl als auch‘.

Ist das ein Seitenhieb auf die FPÖ?

Es ist ein Appell an alle politischen Parteien.

Aber die FPÖ emotionalisiert mit dem Flüchtlingsthema und ist bei den Umfragen österreichweit schon längst auf Platz eins in der Wählergunst . . .

Dazu sage ich nur: Wer Österreich liebt, spaltet es nicht.