Wien. Die Weichen für eine Neuaufstellung der medizinischen Versorgung in der Stadt wurden bereits 2011 gestellt. Nun sind die Planungen für das Spitalskonzept 2030 abgeschlossen. Rund um das Allgemeine Krankenhaus (AKH), das als überregionale Versorgung erhalten bleibt, werden die medizinischen Kräfte des stadteigenen Krankenanstaltenverbundes (KAV) künftig nur noch in sechs städtischen Spitälern gebündelt. Derzeit sind es elf. Die Stadtregierung setzt also auf weniger Krankenhäuser und auf Schwerpunktzentren.

Diese werden in drei Regionen organisiert. In jeder Region sollen sich dann zwei Spitäler befinden, deren Angebote einander ergänzen. Im Westen sind dies das Krankenhaus Hietzing und das Wilhelminenspital, in der Region Nord/Ost das Donauspital und das in Bau befindliche Krankenhaus Nord sowie im Süden das Kaiser-Franz-Josef-Spital und die Rudolfstiftung.

An sämtlichen Standorten wird es eine Notaufnahme sowie eine erweiterte Grundversorgung geben, wie Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) bei der Präsentation des Konzepts erklärte. Sie umfasst Einrichtungen der Inneren Medizin, der Allgemeinchirurgie und der Neurologie. Eine gynäkologische Grundversorgung wird zumindest in fünf der sechs Krankenhäusern angeboten.

Ein Novum sind jene "Zentren", die spezielle Disziplinen abdecken werden. Sie sind zum Teil interdisziplinär konzipiert. Als ein Beispiel wurden unter anderem die künftigen Onkologischen Zentren genannt. Deren Spektrum soll von Untersuchungen und Diagnosen bis hin zu allen Arten von Krebsbehandlungen reichen. Sie sind im Wilhelminenspital, im Kaiser-Franz-Josef-Spital sowie im Donauspital vorgesehen.

Häupl: "Alle
Städte beneiden uns"


Neben Sonja Wehsely waren auch KAV-Generaldirektor Udo Janßen und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bei der Präsentation des Spitalskonzepts anwesend. Man überbot sich dabei gegenseitig in Lobeshymnen auf das Wiener Gesundheitssystem: "Alle Städte beneiden uns darum", schwärmte Häupl. "Weltklasseniveau", "wir spielen in der Champions League", legte Wehsely nach. Und das Spitalskonzept sei ein "Jahrhundertsprung", ergänzte Janßen.

Die Opposition sieht das naturgemäß anders. Von einem "gesundheitspolitischen Amoklauf auf dem Rücken der Patienten", spricht die FPÖ. "Ein Spitalskonzept zu entwerfen und dabei nicht einmal ansatzweise den niedergelassenen Ärztebereich miteinzubeziehen ist fahrlässig. Allein 300 niedergelassene Allgemeinmediziner fehlen", kritisiert FPÖ Stadtrat David Lasar.

Ingrid Korosec (ÖVP) gibt zu Bedenken, dass die "die geplanten zentralen Notaufnahmen in den Spitälern mit ziemlicher Sicherheit ein sehr heikles Nadelöhr bei der Bewältigung der Patientenströme werden".

Und die Neos sehen ein Gesundheitssystem, dass kurz vor dem Zusammenbruch steht. "Einen besonders intensiven Anstieg verzeichnen etwa die psychiatrischen Krankheiten, dazu finden wir überhaupt keinen Ansatz im Konzept", kommentiert der pinke Gesundheitssprecher Stefan Gara.

Die Präsentation des Spitalkonzepts nutzte Häupl auch in zwei weiteren Anliegen. So sprach er sich einmal mehr für eine Finanzpolitik aus, die als Grundlage Investieren und nicht Sparen vorsieht. "Wir wollen uns aus der Wirtschaftskrise hinausinvestieren", betonte der Bürgermeister. Das sei die "Grundideologie der Stadt". "Nachhaltige" Investitionen wie jene im Gesundheitsbereich sollten aus dem österreichweiten Stabilitätspakt herausgerechnet werden - "und zwar ohne dass man das große Verschuldungstrauerlied anstimmt", sagte der Stadtchef. Allein in den nächsten zehn Jahren sollen laut Häupl in Wien in diesem Zusammenhang zehn Milliarden Euro ausgegeben werden.

Auch die jüngste Ankündigung von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP), die Zuschüsse für Wiens Kindergärten vorerst auf Eis zu legen, sprach Häupl an: "Es wird versucht eine Politik zu machen, die als Ziel hat die SPÖ aus der Regierung zu drängen. Aber wir werden uns zu wehren wissen."